CHE Stellungnahme für den Wissenschaftsausschuss im NRW-Landtag zum Thema Lehrkräftemangel | Foto: Pixabay

Der Mangel an Lehrkräften prägt auch in Nordrhein-Westfalen die Bildungspolitik in den kommenden Jahren. Vor dem Wissenschaftsausschuss im Düsseldorfer Landtag plädierte das CHE Centrum für Hochschulentwicklung für eine stärkere Einbeziehung der Hochschulen für angewandte Wissenschaften in die Lehrkräfteausbildung.

Die SPD-Fraktion im Landtag prognostiziert Nordrhein-Westfalen aufgrund eines gravierenden Lehrkräftemangels eine „Bildungskatastrophe“. Dies gelte insbesondere für den Bereich der berufsbildenden Schulen im Land. So geht etwa das Schulministerium davon aus, im Schuljahr 2039/40 nur rund 70 Prozent der Lehrer*innenstellen an Berufsschulen besetzen zu können.

In ihrem Antrag (Drs. 17/15880) fordern die Sozialdemokraten deshalb, die erste Phase der Lehrerbildung nicht nur an Universitäten, sondern auch an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, kurz HAW, anzubieten. Zu diesem Ansatz nahm das CHE Centrum für Hochschulentwicklung am 02. Februar 2022 im Wissenschaftsausschuss des Landtags Stellung.

Die Ausgangslage sowie die Prognose zu den zukünftig verfügbaren Lehrkräften stuft das CHE – ebenso wie die SPD-Fraktion – als dramatisch ein. Insbesondere die beruflichen Schulen kämpfen unter anderem aufgrund von finanziell attraktiveren Alternativen schon seit Jahrzehnten mit Nachwuchsproblemen im Lehramt, so die CHE Expert*innen.

Die Einbeziehung der HAW in die Lehrkräftebildung sei jedoch nicht allein eine Option für die Zukunft, sondern bereits jetzt gelebte Realität. So existieren in Nordrhein-Westfalen fünf Hochschulverbünde zwischen HAW und Universitäten in der Lehrerbildung für gewerblich-technische Fächer. Im Rahmen der Kooperation ist es Studierenden möglich, nach einem polyvalenten Bachelor in Ingenieurwesen von einer HAW in einen Master of Education an der kooperierenden Universität zu wechseln. Diese Option sollte nach Ansicht des CHE künftig noch stärker von den Hochschulen beworben werden.

„HAW können bei der Bewältigung des Lehrkräftemangels eine noch wichtigere Rolle spielen, wenn bestehende und bewährte Kooperationen mit Universitäten weiter gestärkt, stärker beworben und personell wie qualitativ ausgebaut werden“, so Ulrich Müller. Der Kooperationsansatz könnte auch für die MINT-Fächer insgesamt ein Modell zur Gewinnung von mehr Lehramtsstudierenden sein. Die weitere Einbeziehung der Hochschulen sei ein wichtiger, aber nicht der alleinige Teil der Lösung.

Der Leiter politische Analysen beim CHE sieht deshalb die Einrichtung vollständiger Lehramtsstudiengänge an HAW, wie es die SPD in ihrem Antrag vorschlägt, kritisch: „Ein komplettes Lehramtsstudium an einer HAW zu verankern, ist personell wie organisatorisch aufwendig. Bildungswissenschaften und Fachdidaktik an den HAW zu etablieren, ist nicht im Vorbeigehen lösbar. Die Einrichtung und der Ausbau von Studienkapazitäten an den HAW löst nicht die kurzfristigen Probleme des Lehrermangels. Kooperationen, bei denen beide Hochschultypen ihre Stärken einbringen können, sind ein Modell der Zukunft.“

 

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