Immer mehr studieren. Immer vielfältiger werden die Biografien. Für Hochschulen und Politik gilt es, den Wandel zum Normalfall Studium zu gestalten.

Die Zahl der Studienanfänger(innen) bleibt bis 2050 bei über 425.000 pro Jahr und damit weit über dem Niveau von 2005. Gleichzeitig wird die Gruppe der Studierenden immer heterogener. Nicht nur der 19-jährige Abiturient geht heute zur Hochschule, sondern auch die Handwerksmeisterin, der alleinerziehende Vater oder die Managerin. Hochschulbildung wird zum Normalfall. Diese gesellschaftliche Entwicklung begleitet das CHE seit 2014 schwerpunktmäßig. Studien geben Anregungen für den Umgang mit dem Wandel.

Im Jahr 2005 lag die Zahl der jährlichen Studienanfänger(innen) in Deutschland bei rund 350.000. Aktuell beginnen pro Jahr etwa eine halbe Million Menschen eine akademische Ausbildung. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Erstsemester zwar leicht zurückgehen, aber nicht mehr unter die Marke von 425.000 sinken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellrechnung des CHE. Die prognostizierten Werte gehen dabei von einer unveränderten Studierneigung in der Bevölkerung aus. Somit werden die Studienanfängerzahlen in den nächsten Jahren auf einem Hochplateau bleiben. Zur CHE Prognose der Studienanfänger bis 2050.

In den Hochschulen wird das Bild der Studierenden bunter

Kinderlos, Vollzeit studierend, Anfang 20, Abiturient, ohne gesundheitliche Einschränkung, aus Akademikerhaushalt, ohne Einwanderungsgeschichte – diese Beschreibung traf einmal auf die Mehrheit der Studierenden in Deutschland zu. Heute ist das Bild wesentlich bunter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten 2016 beispielsweise 22 Prozent der Studierenden eine abgeschlossene Berufsausbildung. 20 Prozent hatten einen Migrationshintergrund.  Mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung leben 11 Prozent aller Studierenden. Die Heterogenität der Studierenden geht mit vielfältigen Bedürfnissen einher.

Weitere Informationen und Zahlen bietet die Broschüre „Hochschulbildung wird zum Normalfall – Ein gesellschaftlicher Wandel und seine Folgen“ 

Das Studienangebot wird umfangreicher 

Aktuell gibt es mehr als 19.000 Studiengänge in Deutschland. Ein Grund für die hohe Zahl ist die Einführung des gestuften Studiensystems im Rahmen des Bologna-Prozesses. Doch das Wachstum hält weiter an. Zwischen den Jahren 2014 und 2017 ist die Anzahl der Studiengänge um rund elf Prozent gestiegen. Etwa die Hälfte der zusätzlichen Studiengänge entfällt auf die Universitäten, die mit rund 60 Prozent weiterhin den größten Anteil an Studiengängen in Deutschland anbieten, darunter 4.000 Lehramtsstudiengänge.

Die größte Zuwachsrate gab es allerdings bei den Fachhochschulen mit einem Plus von rund 16 Prozent. Im Bereich der weiterführenden Studiengänge ist hier die stärkste Dynamik zu beobachten, besonders an privaten Fachhochschulen. Hier gab es zwischen 2014 und 2017 eine Steigerung der Studienangebote um fast 50 Prozent. Zur Studie „Im Blickpunkt: Die Vielfalt der Studiengänge. Entwicklung des Studienangebotes in Deutschland zwischen 2014 und 2017„.

 

Dass ein Studium heute nahezu jedem offensteht, ist das Ergebnis einer veränderten Hochschulpolitik und einer Öffnung der Hochschulen. Daraus ergeben sich auch Herausforderungen für Politik und Hochschulen. Hier ist noch einiges zu tun.

Handlungsbedarfe auf politischer Ebene: Erstens bedarf es einer gesamtstaatlichen, dauerhaften und verlässlichen Neuordnung der Hochschulfinanzierung über den bisherigen Hochschulpakt hinaus, um der anhaltend hohen Zahl an Studienanfänger(inne)n gerecht zu werden. Zweitens muss die Studienfinanzierung reformiert werden. Der BAföG-Anspruch zum Beispiel muss auch für Teilzeit-Studierende gelten. Auch müssten Teilzeit-Studierende bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze Anspruch auf ermäßigte Krankenkassenbeiträge haben.

Handlungsbedarfe für die Hochschulen: Sie müssen sich auf die vielfältigen Studierenden einstellen und ihre Angebote den Voraussetzungen und Bedarfen der unterschiedlichen Zielgruppen anpassen. So stellt sich die Frage, ob die Verfahren für Teilzeit tatsächlich funktionieren und hinreichend flexibel sind. Die Ausgestaltung des Angebots und die Ansprache der Studierenden müssen mit ihrem Alltag abgestimmt sein. Gleichzeitig muss die Anzahl der Studiengänge, die in Teilzeit studierbar sind, erhöht werden. Zudem können gezielte Formate, wie Brückenkurse, Coachings und Beratungsgespräche, in der Studieneingangsphase dazu genutzt werden, einerseits den Studierenden die an sie gestellten Anforderungen zu verdeutlichen und sie andererseits bei dem Erwerb fehlender Kompetenzen zu unterstützen.

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