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„Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen. Das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.“ (John F. Kennedy, US-Präsident 1961-1963)

Neue digitale Seminarangebote, wegfallende Studentenjobs oder gestrichene Auslandssemester: Die weltweite Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf alle Bereiche und Beteiligten des Hochschulsystems. Die Situation ist dabei allerdings nicht nur eine Herausforderung, sondern bietet gleichzeitig die Chance, bisherige Konzepte, Systeme und Innovationen im deutschen Hochschulsystem auf den Prüfstand zu stellen.

Ob flexible Arbeitszeitmodelle, die Zusammenstellung von Krisenstäben oder Zulassungsmodi – überall stellen sich Verantwortliche aus Hochschulen und Politik die Fragen: Was hat sich während der Pandemie bewährt oder als untauglich erwiesen? Welche guten Ideen und Beispiele aus dem In- und Ausland sind nachahmenswert? Was lässt sich aus der Krise für den Normalbetrieb lernen? Und wie kann ein krisensicheres Hochschulsystem der Zukunft für die Zeit nach der Corona-Pandemie aussehen?

Während des für alle geltenden Ausnahmezustandes zeigt sich im Hochschulmanagement an vielen Stellen deutlich, welche Strukturen im Krisenfall förderlich oder hinderlich sind. Das CHE möchte diese Lektionen aus der Corona-Zeit systematisch bündeln und aufarbeiten, damit positive Entwicklungen und Lehren im Alltagsbetrieb der Post-Corona-Zeit systematisch und nachhaltig verankert werden können.

Hochschulzugang

Studienplatzsuche und Hochschulwahl stehen in Zeiten von Corona unter besonderen Vorzeichen. Da es an vielen Hochschulen nur einen eingeschränkten Präsenzbetrieb gibt, gewinnen die online verfügbaren Vergleichs- und Informationsportale wie etwa das CHE Hochschulranking sowie die Websites der Hochschulen an Bedeutung. Allerdings unterscheiden sich die Hochschulwebsites in ihrem Informationsgrad und der Nutzerfreundlichkeit noch deutlich, wie eine im Frühjahr 2020 veröffentlichte CHE Stichprobe zeigt.

Eine Vorlesung im vollen HörsaalAngesichts der Abiturprüfungen unter besonderen Bedingungen diskutieren Bildungsexperten den stärkeren Einsatz anderer Bewertungsverfahren anstelle der Abiturnote. Das CHE Format CHECK zum Hochschulzugang in Deutschland zeigt, dass aktuell rund 40 Prozent aller Bachelor-Studiengänge zulassungsbeschränkt sind und daher unter anderem die Abiturnote bei der Studienplatzvergabe berücksichtigen. Bei den meisten Fächern spielt das Thema Tests nur eine untergeordnete Rolle. So nutzen nur 18 Prozent aller Fachbereiche obligatorische Auswahl- oder Eignungstests bei der Studienplatzvergabe, wie eine Auswertung des CHE aus dem Jahr 2018 zeigt. Eine digitale Variante der Eignungstests, sogenannte Self-Assessments, nutzen bereits mehr als ein Drittel (35 Prozent) aller Fachbereiche.

Das CHE plädiert deshalb für ein stärkeres Zusammenspiel der bisher verfügbaren Auswahlelemente von der Abiturnote, über Eignungstests bis zur Berücksichtigung von Praxiserfahrung, wie es etwa beim Medizinstudium der Fall ist. Wie sich das Auswahl- und Bewerbungsverfahren für Studieninteressierte ohne Abitur aktuell gestaltet, erläutert eine Info-Broschüre auf dem CHE Portal www.studieren-ohne-abitur.de.

Digitalisierung von Lehr- und Lernformaten

Die Corona-Krise hat an Hochschulen in Deutschland und weltweit zu einem Digitalisierungsschub geführt. Um Infektionsrisiken zu vermeiden, sind Hochschulen gezwungen, etablierte Prozesse wie beispielsweise die Lehre komplett in den digitalen Raum zu verschieben. Dies bietet eine große Chance für die Entwicklung der Digitalisierung in den Hochschulen. Der Erfolg ist aber nicht garantiert. Es braucht einen Strategieprozess, in dem die lessons learnt in den Normalbetrieb überführt werden.

Es bedarf auch konkreter Unterstützungsangebote für die Hochschullehrenden. Beispielsweise Instructional Designer, die Lehrende beim Einsatz digitaler Lehr- und Lernmöglichkeiten technisch und didaktisch beraten, sind in Deutschland bisher noch selten zu finden, wie ein vergleichender Blick über den Tellerrand im Rahmen der Reihe DUZ Spotlight 2019 zeigte. Auch praktische oder rechtliche Fragen rund um digitale Prüfungsformate gewinnen während der Corona-Pandemie an Bedeutung.

Ein Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Lernen ist über das Hochschulforum Digitalisierung möglich. Auf der Website des Hochschulforum Digitalisierung (HFD) finden sich entsprechende Ansätze, Austauschgelegenheiten und Inspirationen. Zu allen Aktivitäten in der Corona-Krise hat das Hochschulforum Digitalisierung eine Sonderseite erstellt. Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Situation im digitalen Sommersemester 2020 gibt es gebündelt in einer Übersicht als CHECK.

Studienfinanzierung

Nebenjobs während des Studiums sowie Unterstützung durch die Eltern waren in den vergangenen Jahren die beiden zentralen Finanzierungsquellen für Studierende. Weitere Alternativen wie BAföG, Studienkredite oder Stipendien wurden – gerade im Verhältnis zu den steigenden Studierendenzahlen – vergleichsweise selten in Anspruch genommen, wie der CHECK Studienfinanzierung (2019) zeigt. Dies wirkt sich nun bei einbrechender Konjunktur fatal auf die Studienfinanzierung aus. Deshalb ist anzunehmen, dass eine größere Zahl von Studierenden aktuell in existenzieller Not ist.

In seiner Stellungnahme sowie im Interview mit dem Deutschlandfunk plädiert Ulrich Müller vom CHE für eine stärkere Einbeziehung des BAföG, mit seinen wesentlich kulanteren und studierendenfreundlicheren Rückzahlungsmodalitäten und kritisiert die bislang umgesetzte KfW-Lösung als „Lockvogelangebot“ für kostenträchtige Studienkredite.

 

Hochschul- und Krisenmanagement

Ob Hygienekonzepte oder virtuelle Senatssitzungen, Hochschulen sind während der Corona-Pandemie gezwungen, schnelle und flexible Lösungen für ihre Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entwickeln. Gutes Krisenmanagement ist hier von zentraler Bedeutung und steht deshalb auch bei der Wahl zum „Hochschulmanager / Hochschulmanagerin des Jahres“ in diesem Jahr im Zentrum.

Hochschulfinanzierung

Weltweit gibt es Krisenmeldungen zur Finanzsituation an Hochschulen. In einer Prognose für Großbritannien wird für das akademische Jahr 2020/21 mit einem Einnahmeneinbruch von 2,5 Mrd. britischer Pfund gerechnet. Auf der Insel erwartet man eine Viertelmillion Studierender weniger.

Deutsche Hochschulen sind bisher finanziell weniger stark von der Corona-Pandemie betroffen. Dabei herrscht auch in Deutschland extreme Abhängigkeit von einer großen Finanzquelle. Sind es im Ausland zu großen Teilen oft Studiengebühren, tragen hierzulande Länder und Bund das Hochschulsystem zu 86 Prozent. Angesichts milliardenschwerer Konjunkturprogramme wird damit gerechnet, dass sich die finanzielle Krise im öffentlich finanzierten Hochschulsystem mit zeitlicher Verzögerung zeigt.

CHE Geschäftsführer Frank Ziegele skizziert in Interviews und Beiträgen, wie eine krisensichere Hochschulfinanzierung aussehen kann, die bisherige Lehren der aktuellen Entwicklungen aufgreift. Hierbei steht vor allem eine Diversifizierung der Finanzquellen im Vordergrund.

News

Die Zahl der neu abgeschlossenen Studienkredite in Deutschland hat sich trotz steigender Studierendenzahlen in den vergangenen fünf Jahren nahezu halbiert. Nun soll...
Bislang sind Deutschlands Hochschulen besser durch die Krise gekommen als anderswo. Die Ausgangssituation der Hochschulen in Deutschland ist  vergleichsweise gut und erinnert...

Ansprechpartner

Dr. Jörg Dräger
Dr. Jörg Dräger Geschäftsführer

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Geschäftsführer
Prof. Dr. Frank Ziegele
Prof. Dr. Frank Ziegele Geschäftsführer

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