Das Forum Hochschulräte tagte am 10. März 2022 (Foto: Stifterverband/David Ausserhofer)

Beim Frühjahrestreffen des Forums Hochschulräte am 10. März stand der Nutzen von Kennzahlen, Berichtssystemen und Indikatoren im Fokus. Über die Impulsbeiträge des Forums unter dem Titel „Die Hochschule in Zahlen“ informiert jetzt der aktuelle Newsletter „Update 1/2022“.

Input für die Diskussion über Indikatorensets in den Bereichen Forschung, Lehre und Transfer gaben externe Referent*innen in ihren Impulsvorträgen:

Dr. Heide Ahrens, Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, berichtete über Rankings und Kennzahlen in der Forschungslandschaft und stellte die Perspektive vor, die sich aus einer Beteiligung von Hochschulen am Kerndatensatz Forschung (KDSF) ergeben. „Hochschulräte sollten sich für eine Beteiligung der jeweiligen Hochschule an dem Projekt Kerndatensatz Forschung Standard (KDSF) stark machen“, rät Ahrens.

Zu Studium und Lehre informierte Dr. Sonja Berghoff, Leiterin nationale Rankings des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, darüber, auf welcher Datenbasis Hochschulräte insbesondere bei Fragen von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement mitreden können. „Das CHE Hochschulranking stellt eine bewährte Möglichkeit dar, verschiedene Datenquellen zusammenzuführen. Auch wenn in erster Linie Studieninteressierte Zielgruppe des CHE Hochschulrankings sind, lässt sich aus den Daten hilfreiches Wissen zu einigen Aspekten von Studium und Lehre an einer Hochschule ziehen,“ sagte Berghoff.

Beim Themenfeld Transfer als drittes Handlungsfeld der Hochschulen ging Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes, der Frage nach, wie sich die Innovationsfähigkeit und Transferleistung einer Hochschule messen lässt. Im Handlungsfeld „Transfer und Kooperation“ sei dies vom jeweiligen Transferverständnis abhängig. „Dieses Transferverständnis ist institutionenspezifisch und abhängig vom regionalen Umfeld, von den Disziplinen und den transferaktiven Forschenden, aber auch von den strategischen Zielen, die sich eine Institution gibt“, erläutert Frank.

Prof. Dr. Frank Ziegele, CHE-Geschäftsführer, stellte in einer bündelnden Perspektive eine Möglichkeit vor, ein hochschulspezifisches Performance Profile zu erstellen, das neben Stärken in Forschung, Lehre und Transfer auch eine Profilierung in den Bereichen Internationalität und Regionalbezug abbilden könne. Die „beste Universität“ gibt es laut Ziegele nicht.  Internationale Rankings, die Hochschulen wie in Bundesligatabellen in Nummer eins, drei oder 53 einsortieren, bieten scheinbar einfache Lösungen. Aber was sagt ein solcher Tabellenplatz wirklich aus? „Hochschulen müssen eigene, profilgerechte Messansätze finden und kommunizieren, anstatt sich auf einem bestimmten Rankingplatz zu wähnen“, fordert Ziegele und stellte als Beispiel für einen multidimensionalen Messansatz das unabhängige U-Multirank vor, das maßgeblich durch die EU-Kommission gefördert wird.

Weitere Vorträge zeigten die Perspektiven aus der Praxis zur Frage, welche Zahlen in der eigenen Hochschulratsarbeit genutzt werden:

Die Hochschulräte haben in NRW weitgehende Kompetenzen, unter anderem müssen sie den Wirtschaftsplan beschließen und den Jahresabschluss feststellen.  Dr. Annette Fugmann-Heesing, Sprecherin der Hochschulratsvorsitzenden der Universitäten in Nordrhein-Westfalen, stellte klar, dass Kennzahlen zu Hochschulfinanzen sowie Finanzierungsformeln, Jahresabschlussberichte und Risikomanagement notwendiges Rüstzeug sind, damit Hochschulräte in NRW über aussagekräftige Informationen verfügen, um ihre Aufsicht über die Wirtschaftsführung des Rektorats ausüben zu können.

Bernhard Sibold, Vorsitzender des Universitätsrats der Eberhard Karls Universität Tübingen, geht auf eine Auswahl von Kennzahlen- und Indikatorenberichten ein, die regelmäßig in seinem Universitätsrat erörtert werden. Sein Fazit: „Ohne Zweifel unterstützen Kennzahlen und Indikatoren den Hochschulrat bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben. Unterschiedliche Blickwinkel ergänzen sich und vermitteln ein Gesamtbild über die Lage der Universität.“

Monika Rühl, Vorsitzende des Hochschulrats der Hochschule Kaiserslautern, vergleicht die Kennzahlen, die Arbeit der Hochschulräte — insbesondere im Vergleich zu Aufsichtsräten — bedingen und stellt dar, wie es sich demgegenüber in großen börsennotierten Unternehmen verhält. Ihr Fazit: „What doesn’t get measured doesn’t get managed.“

Prof. Dr. Klaus Dicke, Stiftungsratsvorsitzender der Europa Universität Viadrina, mahnt eine gute Aufbereitung der Zahlen an. Nur so sei es möglich, auch im Ehrenamt in einem zumutbaren Zeitaufwand die Funktion der Strategieberatung in einem Hochschulrat seriös ausfüllen zu können. Er richtet sich aber auch an die Hochschulräte, zu deren Aufgaben es auch gehöre, „Kennzahlen in Perspektive zu setzen und an einer wissenschaftsadäquaten Gestaltung des hochschulpolitischen Diskursraumes nach Kräften mitzuwirken.“

Ulrich Müller, Leiter politische Analysen im CHE Centrum für Hochschulentwicklung, listet sieben Erfolgsfaktoren auf, die nach seiner Einschätzung helfen, Kennzahlen und Indikatoren klug zu nutzen. Punkt sieben lautet: „Zahlen sind nicht alles: Bei aller notwendigen Quantifizierung, die im Idealfall ungeschönt die Wahrheit abbildet, ist es aber genauso entscheidend, die ‚Stimmung‘, die ‚weichen Faktoren‘, aufmerksam im Blick zu behalten.“

Das nächste Forum Hochschulräte findet am 20. September 2022 statt und ist aktuell als Präsenzveranstaltung im Quadriga Forum Berlin geplant.

Über das Forum Hochschulräte

Das Forum Hochschulräte ist eine Initiative des Stifterverbandes und der Heinz Nixdorf Stiftung in Kooperation mit dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Es richtet sich als Veranstaltungsreihe an alle Hochschulräte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft und bietet ihnen institutionenübergreifend die Möglichkeit zum Informations- und Erfahrungsaustausch. Es finden zwei Veranstaltungen pro Jahr statt. Sie beschäftigen sich zum einen mit den Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren der Hochschulratsarbeit, zum anderen mit aktuellen Fallstudien und konkreten Aufgabenstellungen.

Ulrich Müller

Leiter politische Analysen

Tel.: +49 5241 9761-56
Fax: +49 5241 9761-40
E-Mail: Ulrich.Mueller@che.de

Assistenz:
Tanja Ologe
Tel.: +49 5241 9761-58

Arbeitsschwerpunkte:
Hochschulräte, Individuelle Studienfinanzierung / Studienkredite, Studienbeiträge, Student Services / Studentenwerke, Landeshochschulgesetze, Reformmonitoring, staatliche Steuerung

https://www.che.de/teams/ulrich-mueller