Die „gläserne Decke“ für Frauen wirkt weiterhin an Hochschulen und offenbar besonders an forschungsintensiveren, das zeigt der neue U-Multirank “Gender Monitor“. Ungleichheiten mit Blick auf das Geschlecht existieren im Hochschulbereich seit Jahren und verändern sich nur sehr langsam. Die sogenannte „Leaky Pipeline“ ist weiterhin auf jeder Karrierestufe zu beobachten. Während Frauen im weltweiten Maßstab etwa die Hälfte aller Bachelor- und Masterstudierenden stellen, verringert sich ihr Anteil von den PhD-Studierenden (48 %), über das akademische Personal (44 %) bis zu den Professor*innen auf nur 28 %. Die U-Multirank Daten zeigen, dass dieses Muster in der EU in gleichem Maße gilt. U-Multirank präsentiert Daten und Ergebnisse zu nahezu 2.000 Hochschulen aus 96 Ländern, sowie zu 30 Fächern mit mehr als 5.000 Fachbereichen.

Die Daten zeigen zudem, dass die Unterrepräsentanz von Frauen an forschungsintensiven Hochschulen stärker ausgeprägt ist. Nur 23% der Professorenschaft an Hochschulen, an denen ein hoher Anteil des Budgets auf die Forschung entfällt, sind Frauen – verglichen mit 38 % an weniger forschungsintensiven Hochschulen. Weiter zeigen die Ergebnisse einen starken Fächereffekt: An Hochschulen, an denen die Mehrzahl der Absolvent*innen auf die MINT-Fächer entfallen, sind Frauen sowohl unter den Studierenden als auch dem akademischen Personal deutlich unterrepräsentiert.

Grafik Frauenanteile an Studierenden und wissenschaftlichem Personal nach Fächern in U-Multirank
Frauenanteile an Studierenden und wissenschaftlichem Personal nach Fächern in U-Multirank

Blickt man auf einzelne Fächer bestätigen sich traditionelle Geschlechter-Unterschiede. Auch wenn die Anteile von Frauen und Männern in einigen Fächer (z.B. in BWL, VWL, Agrarwissenschaften) in etwa ausgewogen sind, gibt es nach wie vor etliche (fast) reine Frauen- und Männerfächer. Zu den Fächern, in denen die überwiegende Zahl der Studierenden und oft auch des wissenschaftlichen Personals weiblich sind, zählen Pflege, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Medizin, und Zahnmedizin – aber auch Pharmazie.

So ist beispielsweise nur an 7 von über 200 einbezogenen Psychologiefachbereichen der Männeranteil an den Studierenden höher als 40%. Gleichzeitig liegt in allen Fächern mit hohem Frauenanteil an den Studierenden ihr Anteil am wissenschaftlichen Personal zwar über 50% (mit Ausnahme der Medizin), aber niedriger als ihr Anteil an den Studierenden. Auf der anderen Seite sind in den technischen/ingenieurwissenschaftlichen Fächern, insbesondere auch den großen Fächern Maschinenbau und Elektrotechnik, Männer nach wie vor fast unter sich – sowohl mit Blick auf die Studierenden als auch das wissenschaftliche Personal. Zu den Fächern mit der ausgeglichensten Geschlechter-Relation zählen Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft, Landwirtschaft, Geschichte und – als einzige Naturwissenschaft Chemie. In diesen Fächern liegen die Anteile von Frauen/Männern sowohl an den Studierenden als auch beim wissenschaftlichen Personal jeweils zwischen 40 und 60%.

Die aktuellen Ergebnisse von U-Multirank zeichnen aber nicht nur ein differenziertes Bild der Geschlechter–Balance, sondern bieten anhand von über 30 Indikatoren Transparenz über die Leistungen der Hochschulen in den fünf Dimensionen Studium und Lehre, Forschung, Wissenstransfer, internationale Orientierung und regionales Engagement. Ein spezieller Zugang für Studierende bietet ihnen nützliche Informationen bei der Hochschulwahl. Den Hochschulen bietet U-Multirank einen umfassenden Vergleich ihrer Stärken und Schwächen und somit Hilfe bei ihrer strategischen Entwicklung.

In der Diskussion um “Geschlecht” ist eine Ausweitung des Begriffs um “nicht-binäre” Kategorien üblich geworden. Dies lässt sich mit Daten der Hochschulen bislang noch nicht durchgehend darstellen.  Daher bezieht sich die vorliegende Analyse nur auf die Zahlenrelationen von Frauen und Männern. U-Multirank hat an verschiedenen Stellen seiner Datenerhebungen aber begonnen, das Konzept von „Gender“ um eine nicht-binäre Kategorie zu ergänzen.

Hier finden Sie den neuen U-Multirank Gender Monitor.

Hintergrund

U-Multirank ist ein nicht-kommerzielles, multidimensionales globales Transparenz-Instrument, das die Leistungen von Hochschulen anhand von mehr als 30 Indikatoren aus den 5 Dimensionen Studium und Lehre, Forschung, Wissenstransfer internationale Ausrichtung und regionales Engagement misst und vergleicht. Die jüngste Ausgabe umfasst 1.948 Hochschulen aus 96 Ländern. Alle Ergebnisse sind auf der Webseite frei zugänglich.

Die Daten des U-Multirank Gender Monitors basieren auf einem Sample von rund 900 Hochschulen, die geschlechtsspezifische Daten auf mehreren Ebenen (Studierende, Absolventen, Doktoranden, wissenschaftliches Personal, Professor*innen) zur Verfügung gestellt haben. Als Teil seiner Bemühungen, die Themen soziale Inklusion und Diversität noch umfangreicher abbilden zu können, hat U-Multirank auch damit begonnen, die Erhebung geschlechtsspezifischer Daten um eine nicht-binäre Kategorie zu erweitern.

U-Multirank wurde im Jahr 2014 zum ersten Mal veröffentlicht. Seit 2017 wird es gemeinsam von der Europäischen Kommission, der Bertelsmann Stiftung und der Banco Santander finanziert. Es wird von einem Konsortium europäischer Organisationen unter Federführung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung getragen. Weitere Partner sind das Center for Higher Education Policy Studies (CHEPS) an der Universität Twente, das Centre for Science and Technology Studies (CWTS) an der Universität Leiden und die Fundación Conocimiento y Desarrollo (FCYD) in Barcelona.

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Weiterführender Hinweis: Lebenslaufanalysen des CHE Centrum für Hochschulentwicklung von Hochschulleitungen in Deutschland zeigen, dass der Frauenanteil in der Führungsriege im Herbst 2020 bei 22,9 % liegt.

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CHECK - Hochschulleitungen in Deutschland - Update 2021 3. März 2021 1.21 MB 13402 downloads

Roessler, Isabel: CHECK - Hochschulleitung in Deutschland - Update 2021 , Gütersloh,...

 

 

Gero Federkeil

Leiter internationale Rankings

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Arbeitsschwerpunkte:

U-Multirank, Evaluationen, Leistungsindikatoren, Qualitätssicherung, Hochschulranking

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