Veränderungen, die zu einem Wandel in der Gesellschaft führen, indem neue Praktiken oder Konzepte eingeführt werden, bezeichnet man als Soziale Innovationen. Ein aktuelles Beispiel ist das Thema Homeoffice während der Corona-Pandemie. Welche Rollen Hochschulen bei der Entwicklung Sozialer Innovationen spielen können, zeigen Beispiele aus dem In- und Ausland in der aktuellen Ausgabe von DUZ – Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft. Das Dossier ist neuester Bestandteil der Reihe DUZ Spotlight – Gute Praxis international, die in Kooperation mit dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung erscheint.

Ob die Einführung der Sozialversicherung, das Frauenwahlrecht oder modernere Konzepte wie Homeoffice, Food- oder Carsharing – sie alle sind sogenannte Soziale Innovationen. Diese gehen mit einer gesellschaftlichen Veränderung bestimmter gesellschaftlicher Praktiken einher und reagieren in der Regel auf bestehende soziale Herausforderungen.

Treiber und Entwickler solcher Prozesse sind oftmals Nicht-Regierungs- bzw. Non-Profit-Organisationen, die zu 80 Prozent an Sozialen Innovationen beteiligt sind. Hochschulen haben als Entwicklungsort nur eine untergeordnete Bedeutung und waren weltweit nur an rund 15 Prozent aller Sozialen Innovationen beteiligt.

„Hochschulen nutzen ihr Potenzial noch zu wenig, um Soziale Innovationen voranzubringen“, bilanziert Co-Autorin Isabel Roessler vom CHE Centrum für Hochschulentwicklung. „Die Gründe dafür sind fehlende organisatorische Rahmenbedingungen und ein mangelndes Bewusstsein der eigenen Rolle im sozialen Innovationssystem“, so die Projektleiterin des Forschungsprojektes WISIH, das sich mit Sozialen Innovationen an Hochschulen beschäftigt.

Wie Soziale Innovationen über die institutionelle Vernetzung von Forschungsaktivitäten vorangetrieben werden können, verdeutlicht das DUZ-Spotlight-Dossier anhand zweier Beispiele aus Europa und Nord-Amerika.

Seit 2013 existiert das Social Entrepreneurship Center an der Wirtschaftsuniversität Wien. Das Center beleuchtet und kommuniziert unter anderem den gesellschaftlichen Einfluss der hochschulischen Forschungsprojekte oder vergibt den „Social Impact Award“.

Zu den Pionieren im Bereich der Sozialen Innovationen gehört das Centre de recherche sur les innovations sociales, kurz Crises, in Kanada. Entstanden aus einem Netzwerk von Forscherinnen und Forschern aus der Provinz Quebec ist das Ziel des Crises-Institutes seit rund 30 Jahren, Wissen über Soziale Innovationen und Transformationen zu schaffen und zu verbreiten. Ein charakteristischer Erfolgsfaktor des Netzwerkes CRISES ist es dabei, dass Wissen zu Sozialen Innovationen von Forschenden und Praktikern gemeinsam entwickelt wird.

Bianca Brinkmann, Co-Autorin der Publikation, sieht aktuell einen günstigen Zeitpunkt ähnlich gelagerte Zentren für Soziale Innovationen in der deutschen Hochschullandschaft zu etablieren „Vor allem in Krisenzeiten wird sichtbar, dass soziale Innovationen bedeutsam sind, auch als Aufgabe von Hochschulen und Forschung. Hochschulen können über interdisziplinäre Zentren und Vernetzungsstrukturen Kräfte bündeln und soziale Innovationen auch strategisch in den Blick nehmen “, sagt die Projektmanagerin beim CHE. Dass so etwas auch in Deutschland möglich sei, zeige das Beispiel der Technischen Hochschule Köln, die das Thema als Leitmotiv ihrer Hochschule in zahlreichen Facetten, u.a. durch einen eigenen Transferfonds, auf dem Campus etabliert habe.

 

Der Schwerpunkt zum Thema ist am 20. November im Rahmen der Ausgabe 11/2020 der DUZ erschienen. Die Autorinnen Bianca Brinkmann und Isabel Roessler sind Projektmanagerinnen beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Das Dossier ist die achte Ausgabe des gemeinsam von CHE und DUZ entwickelten Formats „DUZ Spotlight – Gute Praxis international“, das in loser Folge in der DUZ und auf www.che.de veröffentlicht wird.

Bereits erschienen sind Spotlight-Dossiers zum österreichischen Modell der lebensbegleitenden Matrikelnummer (Ausgabe 09/2017), dem britischen Professional Doctorate (01/2018), dem niederländischen Lehrführerschein (08/18), der Transfergemeinschaft nach Schweizer Vorbild (12/2018), der Etablierung wissenschaftlicher Weiterbildungszertifikate in der Schweiz (11/2019), Instructional Designern im Hochschulbetrieb (02/2020) sowie zu Lernräumen der Zukunft (08/2020). Alle Publikationen sind online auf www.che.de abrufbar.

 

Über das Projekt WISIH:

Das CHE Projekt „WISIH: Wege und Indikatoren Sozialer Innovationen aus Hochschulen im Bereich der Pflegewissenschaft und der Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie“ ist im Oktober 2019 gestartet. Das Projekt beinhaltet auch einen Praxistest, bei dem unter realen Bedingungen an Fachhochschulen und Universitäten getestet wird, ob eine Erfassung von Indikatoren für Soziale Innovationen in der Praxis möglich ist. Das diesem Bericht zugrunde liegende Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 16IFI112 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autoren. Weitere Informationen unter: https://www.che.de/projekt/wisih-soziale-innovationen-aus-hochschulen/

Bianca Brinkmann

Projektmanagerin

Tel.: +49 5241 9761-76
Fax: +49 5241 9761-40
E-Mail: Bianca.Brinkmann@che.de

Assistenz:
Barbara Grüwaz
Tel.: 05241 9761-57

https://www.che.de/teams/bianca-brinkmann