Heutige Hörsäle und Seminarräume bremsen innovative, digitale Lehre oft aus anstatt sie zu unterstützen. Die Arbeitsgruppe Lernarchitekturen des Hochschulforums Digitalisierung veröffentlicht zwei Arbeitspapiere, die zeigen, wie Lösungen für neue Lernräume aussehen können.

Digitalisierung findet nicht nur im virtuellen Raum statt, sondern hat auch Auswirkungen auf physische Räume. Zum Beispiel auf Lernräume an Hochschulen, die heute anders gestaltet werden müssen als in Zeiten von Tafel und Kreide.

Die Berliner CODE University of Applied Sciences ist ein Beispiel, das zeigt, wie zukunftsorientierte Lernräume aussehen können: Die private Fachhochschule ist eingebettet in den Bürocampus des Coworking Spaces Factory. Hier mietet die CODE University eine Etage und nutzt weitere Räume und Veranstaltungsflächen der Factory flexibel. Die CODE University ist eines der Praxisbeispiele, mit denen sich die Arbeitsgruppe Lernarchitekturen des Hochschulforums Digitalisierung beschäftigt hat. Ihr Ziel war es, Gestaltungsdimensionen zur Lernraumentwicklung in Zeiten des digitalen Wandels zu identifizieren und Ansätze zur Umsetzung darzustellen. Die Arbeitsgruppe veröffentlicht in zwei Arbeitspapieren ihre Thesen und Handlungsempfehlungen zur Gestaltung von Lernräumen im digitalen Wandel.

Die Arbeitsgruppe appelliert an Entscheidungsträger aus dem Hochschulmanagement, nicht nur auf moderne Technik zu schauen. Vielmehr brauche es ein architektonisches Konzept, das den pädagogischen Blick mit einbezieht.

„Lernraumentwicklung an Hochschulen ist ein komplexer Prozess, der am besten in Form von Pilotphasen umgesetzt werden sollte. Das heißt, Neuerungen werden zunächst erprobt und mit den Nutzern reflektiert und weiterentwickelt” empfiehlt Anne Prill vom Centrum für Hochschulentwicklung, die die Arbeitsgruppe Lernarchitekturen leitete, mit Blick auf die Umsetzung der Thesen. Pädagogen und Architekten sollten dabei eng zusammenarbeiten. Durch moderne Lernraumentwicklung entsteht ein Bedarf nach Raumkompetenz für Lehrende und Lernende. Sie müssen die Fähigkeit entwickeln, neu entstandene, nicht-traditionelle Raumstrukturen sinnvoll zu nutzen.

Richard Stang, Professor für Medienwissenschaft, Medienpädagogik und Lernwelten an der Hochschule der Medien Stuttgart und AG-Mitglied betont den Bedarf nach neuem Denken und Orientierung für Entscheider: „Ich fordere schon lange eine ‚pädagogische Bauleitung‘ für Bildungsbauten.”

Die Arbeitsgruppe stellt zudem fest, dass Lernräume nicht nur im physischen Sinne zu betrachten sind. Sie müssen auch im Zusammenspiel mit dem Virtuellen funktionieren, damit notwendige Kompetenzen entwickelt werden können, wie kreatives Problemlösen, analytisches und kritisches Denken sowie Kommunikation (virtuell und persönlich) und Zusammenarbeit.

Das erste Papier Zukunftsfähige Lernraumgestaltung im digitalen Zeitalter stellt diese Thesen und Empfehlungen der Arbeitsgruppe in den Fokus. Darauf aufbauend zeigt die zweite Veröffentlichung Lernräume der Zukunft – Vier Praxisbeispiele zu Lernraumgestaltung im digitalen Wandel, wie die Umsetzung aussehen kann.

Über das Hochschulforum Digitalisierung
Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) orchestriert den Diskurs zur Hochschulbildung im digitalen Zeitalter. Als zentraler Impulsgeber informiert, berät und vernetzt es Akteure aus Hochschulen, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das HFD wurde 2014 gegründet. Es ist eine gemeinsame Initiative des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, des CHE Centrum für Hochschulentwicklung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Weitere Informationen zum HFD finden Sie auch unter: hochschulforumdigitalisierung.de.

Anne Prill

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