Campus der Tampere University in Finnland | Foto: Tampere University

Das Studium in Deutschland ist weiterhin stark an einem Vollzeitmodell ausgerichtet. Dabei gibt es einen großen Bedarf an flexiblen Studienangeboten. Ein neues Themendossier aus der Reihe DUZ Spotlight zeigt am Beispiel Finnlands, wie Hochschulen mit offenen Studienangeboten, digitalen Strukturen und hochschulübergreifender Zusammenarbeit flexiblere Studienwege schaffen können – und welche Ansätze sich auf Deutschland übertragen lassen.

Studienalltag verändert sich – Studienstrukturen nur langsam

Das Vollzeitstudium ist an deutschen Hochschulen weiterhin der Regelfall. 88 Prozent der Bachelor- und 97 Prozent der Masterstudienangebote sind als Vollzeitstudium angelegt. Gleichzeitig werden die Bildungsbiografien vielfältiger. Rund 64 Prozent der Studierenden im klassischen Präsenzstudium sind nebenbei erwerbstätig, andere haben familiäre Verpflichtungen oder kommen über berufliche Bildungswege an die Hochschule.

„Viele Studierende wünschen sich eine Vereinbarkeit mit beruflichen Tätigkeiten und Familienpflichten, aber dennoch dominiert an vielen Hochschulen das starre Vollzeitmodell“, sagt Sigrun Nickel. „Der Bedarf an zeitlich und räumlich flexiblen Studienmöglichkeiten ist so groß wie noch nie in Deutschland, aber das Studienangebot spiegelt dies zu selten wider“, so die Leiterin Hochschulforschung beim CHE.

Dabei bedeutet Flexibilisierung nicht ausschließlich mehr Online-Lehre. „Entscheidend ist das Zusammenspiel von Curricula, Lehr- und Prüfungsformaten, Anerkennungsregeln, technischer Infrastruktur sowie Beratungs- und Unterstützungsangeboten“, so Nickel

Finnland setzt auf „Open Studies“ und hochschulübergreifende Angebote

Wie ein solcher Ansatz aussehen kann, zeigen die beiden Autorinnen Sigrun Nickel und Anna-Lena Thiele vom CHE am Beispiel Finnlands. Dort wird Flexibilisierung auf mehreren Ebenen vorangetrieben. Sogenannte „Open Studies“ ermöglichen es beispielsweise, einzelne Lehrveranstaltungen oder Module auch ohne reguläre Einschreibung zu belegen. Hinzu kommen hochschulübergreifende Studienmöglichkeiten, bei denen Studierende Veranstaltungen anderer Hochschulen besuchen und die erworbenen Leistungspunkte auf ihr Studium anrechnen lassen können. Wichtig ist dabei eine klare Studienstruktur. Zu viel Wahlfreiheit ohne ausreichende Orientierung kann eine zu große Komplexität schaffen. Flexible Studienwege brauchen deshalb verlässliche Curricula, transparente Anerkennungsregeln sowie gute Beratungsangebote.

Besonders weit geht die Zusammenarbeit im Hochschulverbund „Tampere Universities“. Die Tampere University und die Tampere University of Applied Sciences öffnen mehr als 1.000 Lehrveranstaltungen füreinander. Studierende können so Angebote beider Hochschultypen nutzen. Seit diesem Frühjahr wurden Anmeldung und Übertragung der Studienleistungen zusätzlich vereinfacht.

„Das finnische Beispiel lässt sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, bietet aber viele adaptierbare Ansatzpunkte. Besonders bei hochschulübergreifenden Studienangeboten gibt es hierzulande noch viel ungenutztes Potenzial. Kooperationen können Studierenden mehr Wahlmöglichkeiten eröffnen und Übergänge erleichtern. Gleichzeitig können Hochschulen ihre unterschiedlichen Profile miteinander verbinden und Ressourcen besser nutzen“, sagt Anna-Lena Thiele, Senior Projektmanagerin beim CHE.

Gute Balance zwischen Präsenz und Distanz

Darüber hinaus setzt Finnland im Rahmen seiner Flexibilisierungsstrategie auf den Ausbau digitaler Studienangebote, welche über die nationale Plattform Opin.fi gebündelt und zugänglich gemacht werden. Auch in Deutschland nimmt das Thema einen immer größeren Raum ein. Vor diesem Hintergrund wurden drei Professor*innen gebeten, aus ihrer Perspektive Zukunftsvorstellungen für den deutschen Hochschulraum zu skizzieren. Tenor: Eine Anwesenheitspflicht ändert nichts am Bedarf von Studierenden nach Flexibilität. Vielmehr kommt es auf eine gute Balance zwischen Präsenz- und Onlinelehre an. Beide sollten einen erkennbaren Mehrwert für Studierende haben.

Über das DUZ Spotlight

Der Schwerpunkt zum Thema ist am 08. Oktober im Rahmen der Ausgabe 03/2026 der DUZ Wissenschaft und Management erschienen und wurde von Sigrun Nickel und Anna-Lena Thiele erstellt. Das Dossier „Flexibilisierung des Studiums“ ist die 17. Ausgabe des gemeinsam von CHE und DUZ entwickelten Formats „DUZ Spotlight – Gute Praxis international“, das in loser Folge in der DUZ und auf www.che.de veröffentlicht wird.

 

DUZ Spotlight: Flexibilisierung des Studiums

Nickel, Sigrun; Thiele, Anna-Lena: DUZ Spotlight: Flexibilisierung des Studiums….
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Sigrun Nickel

Leiterin Hochschulforschung

Tel.: +49 5241 9761-23
Fax: +49 5241 9761-40
E-Mail: Sigrun.Nickel@che.de

Assistenz:
Sarah Brodacz
Tel.: +49 5241 9761-42

Arbeitsschwerpunkte:
Forschungsprojekte zu Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, Karrieren in der Wissenschaft sowie im Hochschulmanagement, Qualitätsentwicklung, Hochschulgovernance, Durchführung von Evaluationsverfahren, Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Hochschulmanagement

https://www.che.de/teams/sigrun-nickel