Bild: ChatGPT

Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump im vergangenen Jahr steht die US-Hochschullandschaft unter erheblichem Druck. Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung legt dazu nun eine chronologische Übersicht zentraler Entwicklungen seit 2025 vor. Ergänzt wird die Chronik durch ein Zwischenfazit, das wiederkehrende Muster und zentrale Angriffspunkte auf Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit herausarbeitet. Begleitend zur Chronik veröffentlicht das CHE eine Sammlung einschlägiger Beiträge zu den Themen Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie als Unterstützungsangebot für Hochschulen.

Der Blick auf die USA und die dortigen Entwicklungen ist auch für Deutschland von Bedeutung: In Teilen des hiesigen rechtspopulistischen Spektrums wird Trumps Agenda als Orientierung und Vorbild genannt. Mit dem Erstarken rechtspopulistischer Kräfte in Deutschland drohen mittelfristig möglicherweise auch deutschen Hochschulen ähnliche Angriffe auf Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit, wie sie Harvard und andere Hochschulen derzeit abwehren müssen. Längst stellen sich Hochschulen, Ministerien und Wissenschaftseinrichtungen die Frage, welche Hebel genutzt werden könnten und wie Hochschulen dann ihre Handlungsfreiheit sichern könnten.

„Auch wenn sich das deutsche Wissenschaftssystem an wesentlichen Stellen vom US-amerikanischen unterscheidet, macht die Chronik sichtbar, wie eine populistische Regierung Hochschulen unter Druck setzen kann. Auch für Deutschland ist es wichtig, potenzielle Angriffspunkte früh zu erkennen. Die Resilienz der deutschen Hochschulen muss jetzt gestärkt werden, damit sie im Ernstfall handlungsfähig bleiben“, so Ulrich Müller, Leiter politische Analysen beim CHE.

Zentrale Angriffspunkte auf Autonomie und Wissenschaftsfreiheit

Die Analyse der US-amerikanischen Entwicklungen zeigt wiederkehrende Angriffspunkte auf Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit und politische Einflussnahme. Dazu zählen insbesondere:

  • die Einschränkung des internationalen Austauschs,
  • finanzieller Druck auf Hochschulen,
  • die Zurückdrängung von Diversitätsförderung sowie
  • die politisch instrumentalisierte „Bekämpfung des Antisemitismus‘“ als Hebel für Auflagen und Eingriffe.

Die Trump-Administration setzt dabei häufig gezielt bei einzelnen Hochschulen an, um diese zu vereinzeln. Die anhaltende Unsicherheit, die durch immer neue und schwer kalkulierbare staatliche Interventionen entsteht, erschwert den US-amerikanischen Hochschulen die strategische Planung und eine Konzentration auf ihre eigentlichen Aufgaben.

Auch Gegenwehr ist sichtbar

Neben den Herausforderungen benennt die Übersicht auch ermutigende Signale: Mehrere Vorhaben der Trump-Administration wurden durch juristische Verfahren und Gegenklagen der Universitäten gebremst oder verzögert. Zudem zeigt besonders das Beispiel Harvard, dass Hochschulen, die sich übergriffigen politischen Forderungen widersetzen, gesellschaftliche Unterstützung erhalten, auch durch steigende Spenden.

Lehren für Deutschland: juristische Vorbereitung und geschlossenes Auftreten

Für das deutsche Hochschulsystem lassen sich erste mögliche Schlussfolgerungen ableiten:

„Deutsche Hochschulen sollten sich juristisch auf mögliche Szenarien vorbereiten. Entscheidend ist, im Fall einer Regierungsbeteiligung rechtspopulistischer Parteien nicht vereinzelt zu reagieren, sondern geschlossen aufzutreten – etwa gemeinsam über die HRK und die Landesrektorenkonferenzen. Und: Gute Wissenschaftskommunikation trägt zu gesellschaftlichem Rückhalt bei.“

Unter www.resiliente-hochschulen.de dokumentiert das CHE fortlaufend Beiträge zur Diskussion um die Verteidigung von Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie. Ziel ist es, verantwortlichen Personen in Hochschulen relevante Ressourcen, etwa Forschungsergebnisse, Handreichungen oder Positionspapiere zum Thema systematisch auffindbar zu machen.

Über die Publikation

Die Website bietet ein Zwischenfazit zu den Entwicklungen im US-amerikanischen Hochschulsystem, eine fortlaufend ergänzte Chronik seit Januar 2025 sowie ein Glossar wichtiger Abkürzungen und Institutionen. Redaktionell betreut wird die Seite von Ulrich Müller, Sara Carina Richau und Damian Wollai.

Wissenschaft in den USA unter Donald Trump

Die Website bietet ein Zwischenfazit zu den Entwicklungen im US-amerikanischen Hochschulsystem,…
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Ulrich Müller

Leiter politische Analysen

Tel.: +49 5241 9761-56
Fax: +49 5241 9761-40
E-Mail: Ulrich.Mueller@che.de

Assistenz:
Tanja Ologe
Tel.: +49 5241 9761-58

Arbeitsschwerpunkte:
Hochschulräte, Individuelle Studienfinanzierung / Studienkredite, Studienbeiträge, Student Services / Studentenwerke, Landeshochschulgesetze, Reformmonitoring, staatliche Steuerung

https://www.che.de/teams/ulrich-mueller