Wie genau Künstliche Intelligenz Studium und Lehre beeinflusst, ist Thema zahlreicher quantitativer Erhebungen. Im neuen Arbeitspapier des Hochschulforum Digitalisierung (HFD) haben Elke Bosse, Klaus Wannemacher und Maren Lübcke fünfzehn verschiedene nationale Studien zur KI-Nutzung vergleichend analysiert. Damit bieten sie einen umfassenden Überblick über die Rolle von KI im Hochschulalltag. Internationale Vergleichsstudien erlauben zudem eine Einordnung der Ergebnisse in einen globalen Kontext. Das Review befasst sich mit Nutzungshäufigkeiten und -mustern, sich abzeichnenden Entwicklungstrends, Einstellungen gegenüber KI, KI-Kompetenzen sowie mit institutionellen Rahmenbedingungen aus Sicht von Studierenden und Lehrenden.
In der studienübergreifenden Analyse zeigt sich deutlich, dass sich generative KI-Systeme unter Studierenden innerhalb kürzester Zeit verbreitet haben und den Studienalltag spürbar prägen. So liegt der Anteil der Studierenden, die KI bislang nicht genutzt haben, in den aktuellen Studiennur noch im einstelligen Prozentbereich. Bei den Studierenden, die KI bereits benutzen, steigt zudem die Intensität und Breite der Nutzung in allen erfassten Anwendungsbereichen. Kontinuierliche Zuwächse lassen sich beispielsweise in den Bereichen Textarbeit, Lernunterstützung und Studien- sowie Selbstorganisation verzeichnen. Die Lehrenden zeigen sich in den verglichenen Studien zurückhaltender, doch auch ihr Interesse an den Einsatzmöglichkeiten wächst deutlich messbar.
„Hohe Nutzungszahlen allein bedeuten noch keinen kompetenten Umgang. Die Studien machen deutlich: Ohne gezielten Kompetenzaufbau – sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrenden – bleibt die Nutzung von generativer KI häufig auf einer pragmatischen Ebene und schöpft damit das didaktische Potenzial nicht aus“ erläutert Jens Tobor, HFD-Projektmanager beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung.
Die Analyse macht deutlich, dass Studierende KI bislang oft pragmatisch, aber wenig reflektiert einsetzen. Lehrende experimentieren überwiegend punktuell mit KI, während Hochschulen erst beginnen, tragfähige Strategien und flächendeckende Unterstützungsangebote zu etablieren. Deshalb sehen die Autor:innen des Arbeitspapiers Handlungsbedarfe – es braucht Leitlinien, die Lehrenden und Studierenden rechtliche Sicherheit bieten, ohne didaktische Innovationen zu behindern. Weiterhin wird empfohlen, Fort- und Weiterbildungsangebote zum KI-gestützten Lehren und Lernen auszubauen und KI-Kompetenzen mittelfristig curricular zu verankern.
Über das Hochschulforum Digitalisierung
Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) ist ein Think Tank, der den Diskurs zur Hochschulbildung im digitalen Zeitalter orchestriert. Als zentraler Impulsgeber informiert, berät und vernetzt es Akteur*innen aus Hochschulen, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es unterstützt Hochschulen bei der strategischen Verankerung der Digitalisierung sowie der Nutzung in der Lehre und entwickelt gemeinsam mit ihnen zukunftsweisende Szenarien für Hochschulen im digitalen Zeitalter.
Das Hochschulforum Digitalisierung wurde 2014 gegründet und ist eine gemeinsame Initiative des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft mit dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
Die KI-Nutzung in Studium und Lehre - Ein Review auf Grundlage empirischer Studien 28. Januar 2026 1.54 MB 14 downloads
Wannemacher, Klaus; Bosse, Elke; Lübcke, Maren: Die KI-Nutzung in Studium und Lehre...

