Der neue Blickpunkt des Hochschulforums Digitalisierung (HFD) analysiert den aktuellen Stand von KI-Leitlinien an deutschen Hochschulen. Auf Basis einer systematischen Untersuchung zeigt die Publikation, wie sich Hochschulen von ad-hoc Reaktionen hin zu einer langfristigen, agilen Gestaltungsperspektive entwickeln.

Seit dem ersten Blickpunkt im Februar 2024 hat generative KI (genKI) den Status eines disruptiven „neuen“ Phänomens verlassen. Der Gebrauch von KI-Tools ist unter Hochschulangehörigen mittlerweile weit verbreitet und hat sich von einer akuten Verunsicherung zu einer dauerhaften Gestaltungsaufgabe für die strategische Hochschulentwicklung gewandelt. KI-Leitlinien sind dabei weit mehr als reine Regelwerke: Sie fungieren als „Enabling-Dokumente“, die den Umgang mit KI-Systemen regulieren, kontextualisieren und inspirieren. In einem Umfeld stetiger technologischer und rechtlicher Weiterentwicklung bieten sie Hochschulangehörigen eine zentrale Grundlage, um Unsicherheiten mithilfe eines hochschulweiten Orientierungsrahmens zu begegnen.

Die Publikation bietet eine systematische Orientierungshilfe für strategische Entscheidungsträger*innen und Gestalter*innen der digitalen Transformation. Durch die vergleichende Analyse von 30 offiziell veröffentlichten KI-Leitlinien aus allen 16 Bundesländern identifiziert das HFD zentrale Muster, Lücken und Spannungsfelder.

Vom Reagieren zum Agieren – die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Strategischer Wandel: Während frühe Leitlinien primär darauf ausgerichtet waren, akute Risiken wie Prüfungsbetrug abzufedern, rückt heute die langfristige didaktische und organisatorische Integration in den Fokus.
  • Rechtliche Komplexität: Mit dem Inkrafttreten des EU AI Acts und Debatten um Datenschutz und Urheberrecht benötigen Hochschulen präzisere Rahmenbedingungen, die Sicherheit vermitteln, ohne Innovationen zu ersticken.
  • Akademische Integrität im Fokus: Der Umgang mit KI verändert das Prüfungswesen grundlegend – weg von reinen Kontrolllogiken hin zu kompetenzorientierten Formaten, die Eigenständigkeit und Transparenz miteinander verknüpfen.
  • Notwendigkeit der Agilität: Leitlinien dürfen keine statischen Dokumente sein. Sie müssen dynamisch gestaltet werden, um auf technologische Sprünge reagieren zu können.
  • Blinde Flecken: Die Analyse zeigt Nachholbedarf bei Themen wie Barrierefreiheit, ökologischem Ressourcenverbrauch und der Berücksichtigung der Hochschulverwaltung.

 

Der Blickpunkt dokumentiert nicht nur den Ist-Zustand, sondern gibt Gestalter*innen konkrete Kriterien an die Hand, um bestehende Leitlinien zu evaluieren und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Damit verschiebt sich die Perspektive: Im Zentrum steht ein informierter Umgang als einzige konstruktive Lösung in einer Welt, in der Tools weder zuverlässig verbannt noch deren Einsatz eindeutig identifiziert werden können.

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Blickpunkt – Leitlinien-Check 2026: Ein Update zu generativer KI an Hochschulen 19. Mai 2026 6.88 MB 27 downloads

Becker, Sarah; Leifeld, Johanna; Lüthi; Riccarda; Tobor, Jens; Westermann, Anja:...

 

Anja Westermann

Projektmanagerin

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