Erhöhung des Frauenanteils im Studienbereich Informationstechnologie durch flexible, praxisorientierte und interdisziplinäre Studienganggestaltung

VORSTELLUNG DES PROJEKTS

Laufzeit: 01.03.2017 - 28.02.2019

Frauen leisten einen erheblichen Beitrag zum Wandel zur (digitalen) Wissensgesellschaft. Sie legen im Schnitt deutlich häufiger das Abitur ab als gleichaltrige Männer und beenden häufiger ein akademisches Studium. Es existieren jedoch z.T. erhebliche Geschlechterdisparitäten innerhalb der Studierendenschaft bestimmter Fächer.

Oft zitiert wird zum Beispiel der niedrige Frauenanteil unter den Studierenden in den MINT-Fächern (Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik, Technik). Dieser ist allerdings differenziert zu betrachten: So herrscht beispielsweise im Fach Mathematik mittlerweile ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, in Biologie sind sogar 66 Prozent der Studierenden weiblich. Werden jedoch technische Studiengänge betrachtet, sinkt der Frauenanteil dramatisch. Im Bereich Ingenieurinformatik/Technische Informatik beispielsweise auf 13 Prozent, in der reinen Informatik liegt er auch nur bei 17 Prozent.

Diese geringen Frauenanteile in den Studiengängen schlagen sich entsprechend auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Laut Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt der Anteil von Akademikerinnen in den IT-Kernberufen seit 1999 konstant bei rund 17 Prozent, wohingegen der Anteil an Frauen an allen Akademikern auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt seit 1999 langsam aber kontinuierlich auf rund 39 Prozent angewachsen ist.

In den vergangenen Jahren wurden viele umfassende Maßnahmen ergriffen, Frauen über die Angebote im MINT-Bereich zu informieren und das Interesse an diesen Fächern bereits unter den Schülerinnen zu erhöhen. Das Projekt FRUIT wählt daher bewusst den Weg, sich auf das Thema Ausgestaltung der informationstechnologischen Studiengänge zu fokussieren. Ziel ist es, evidenzbasierte und konkrete, für die Hochschulpraxis verwertbare Maßnahmen und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die zu einem höheren Frauenanteil in IT-Studiengängen und dadurch auch in der Folge in IT-Berufen führen können.

Hinsichtlich der Studiengangsgestaltung sollen drei Aspekte besonders in den Blick genommen werden:

  1. Der anwendungsnahe und praxisorientierte Zuschnitt von Studienprogrammen, beispielsweise durch die Konzeption als duale oder berufsbegleitende Studienprogramme.
  2. Der flexible Zuschnitt von Studienprogrammen, worunter insbesondere (teil)digitalisierte Lehrformate (MOOCs, Online-Kurse, blended learning), oder auch zeitlich flexible Formate (wie Teilzeitstudiengänge oder Fernstudiengänge) zu fassen sind. Beides führt zu einer räumlichen und zeitlichen Flexibilität des Studiums.
  3. Der inhaltliche Zuschnitt von Studienprogrammen, der die Möglichkeit interdisziplinärer Studienprogramme mit Anteilen solcher Fächer ermöglicht, die vergleichsweise häufig von Frauen belegt werden. Ergänzend ist hier auf die Möglichkeit spezifischer Namensgebungen von Studiengängen oder auch die Möglichkeit der Entwicklung reiner Frauenstudiengänge hinzuweisen.
Das Projekt wird aufzeigen, welche flexiblen und praxisorientierten Studienformate und welche inhaltlichen Ausgestaltungen für (potentielle) IT-Studentinnen ein wichtiges Entscheidungselement sind und welche Formen von Flexibilisierung, Praxisorientierung und inhaltlicher Ausgestaltung sich bereits in der Vergangenheit als vorteilhaft sowohl für die Aufnahme des Studiums als auch für den Studienverlauf zeigten.

Das Projekt soll dabei nicht nur die bloßen Sachverhalte aufzeigen, sondern auch hinterfragen, wie es zu diesen gekommen ist (die Fragen des WARUM beantworten): Unter anderem: Warum haben duale Programme eine höhere Attraktivität für Frauen? Warum haben interdisziplinäre Programme einen höheren Frauenanteil? Warum wählen Frauen mit einem nicht-deutschen soziobiografischen Hintergrund verstärkt Studienangebote aus der Informationstechnologie?

Dafür werden auch die Zusammenhänge zwischen Flexibilisierung, Praxisorientierung und- inhaltlicher Ausgestaltung hergestellt. Der soziobiografische Hintergrund und Gründe der Studienaufnahme werden ebenfalls berücksichtigt. So können Verbesserungspotentiale in der Studiengangskonzeption aufgezeigt werden.

Das Vorhaben "Erhöhung des Frauenanteils im Studienbereich Informationstechnologie durch flexible, praxisorientierte und interdisziplinäre Studienganggestaltung" (FRUIT) wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1635 gefördert.

VORSTELLUNG DES TEAMS

Das Projekt ist am CHE Centrum für Hochschulentwicklung angesiedelt.

Dr. Isabel Roessler (Projektleitung) ist für das Gesamtprojekt verantwortlich sowie für die Auswertungen der Befragungsergebnisse und bringt ihre Expertise in qualitativer sowie quantitativer Forschung in das Projekt ein.
Kontakt: isabel.roessler@che.de, Tel.: 05241 / 9761 - 43

Cort-Denis Hachmeister verfügt aufgrund seiner Beteiligung am Projekt Fachkulturen und Weibliche Wissenschaftskarrieren über fundierte Kenntnisse im Bereich der Genderforschung. Sein zweiter Forschungsschwerpunt ist "Studienwahl" von Studierenden.
Kontakt: cort-denis.hachmeister@che.de, Tel.: 05241 / 9761 - 35

Sude Peksen ist mit einer halben Stelle im Projekt FRUIT beschäftigt und ist zudem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Hochschuldidaktik und Hochschulforschung der Technischen Universität Dortmund. Sude Peksen fokussiert sich im Projekt auf die Aspekte der Genderforschung.
Kontakt: sude.peksen@che.de

Julius-David Friedrich ist als Experte für den Untersuchungsaspekt flexibler Zuschnitt von Studienprogrammen, (teil)digitalisierte Lehrformate (MOOCs, Online-Kurse, blended learning) in das Projekt eingebunden.
Kontakt: julius-david.friedrich@che.de

Dr. Sigrun Nickel ist als Expertin für die Untersuchungsaspekte anwendungsnahe und praxisorientierte Zuschnitte von Studienprogrammen mit Blick auf duale, berufsbegleitende und flexibilisierte Studienprogramme (in Form von Teilzeit-oder Fernstudiengängen) in das Projekt eingebunden.
Kontakt: sigrun.nickel@che.de

Saskia Ulrich ist befasst sich im CHE Hochschulranking mit dem Querschnittsthema Interdisziplinarität. Im Projekt übernimmt sie den Untersuchungsaspekt inhaltlicher Zuschnitt von Studienprogrammen, Schaffung interdisziplinärer Studienprogramme.
Kontakt: saskia.ulrich@che.de

VORSTELLUNG DER VERÖFFENTLICHUNGEN

AP 200: Frauen in Informatik: Welchen Einfluss haben inhaltliche Gestaltung, Flexibilisierung und Anwendungsbezug der Studiengänge auf den Frauenanteil?
Diese Überblicksstudie erläutert die Hintergründe und die Entwicklung des Frauenanteils in der Informatik. Eine umfangreiche Literaturanalyse beleuchtet die Schwerpunktthemen des Projektes: die inhaltliche Gestaltung des Studienganges, Praxisbezug im Studiengang und Flexibilisierung. Es wird der Frage nachgegangen, in wie fern diese Themen mit dem Frauenanteil in Verbindung stehen. Fallbeispiele von Studiengängen mit einem hohen Frauenanteil und eine bundesweite Analyse der Informatikstudiengänge anhand verschiedener Parameter ergänzen das Papier.
Das AP 200 steht hier als PDF zur Verfügung:
http://www.che.de/downloads/CHE_AP_200_Frauen_in_Informatik.pdf

Ergänzung zu AP 200: Frauen in Informatik: Detaillierte Ergebnisse der Strukturanalyse
In der hier vorgestellten Analyse wurde der Frage nachgegangen, welche strukturellen Merkmale einen Einfluss auf den Frauenanteil in Informatik-Studiengängen haben. Die Analyse entstand im Rahmen des Projekts „FRUIT: Erhöhung des Frauenanteils im Studienbereich Informationstechnologie durch Maßnahmen flexibler, praxisorientierter und interdisziplinärer Studiengangsgestaltung“. Dazu wurden Daten zu fast allen in Deutschland angebotenen Informatik-Studiengängen aus dem HRK Hochschulkompass mit Daten aus dem CHE Hochschulranking zusammengeführt. Weitere Daten die für die Analyse verwendet wurden, stammten aus der Studierendenstatistik des Statistischen Bundesamtes. Insgesamt konnten Daten zu 1.067 Informatikstudiengängen in die Analyse aufgenommen werden.
Als PDF abrufbar:
http://www.che.de/downloads/CHE_AP_200_Anhang_Strukturanalyse_Frauen_in_Informatik_Deutschland.pdf

AP 204: Wie weiblich ist digitale Hochschullehre? Geschlechterspezifische Unterschiede in der Digitalisierung der Hochschullehre
Die Hochschullehre verändert sich mit zunehmender Digitalisierung und Studierende werden häufiger mit neuen digitalen Lehr- und Lernformaten konfrontiert. Es kann angenommen werden, dass bestehende Stereotype weiter reproduziert werden und dementsprechend Geschlechterunterschiede bei der Digitalisierung der Hochschullehre existieren. In der folgenden Publikation wird dies anhand der Analyse der repräsentativen Studierendenerhebung des „Monitor Digitale Bildung“ näher untersucht.
Das AP 204 steht als PDF zur Verfügung:
http://www.che.de/downloads/CHE_AP_204_Frauen_digitale_Hochschullehre.pdf

Blickpunkt Daten und Fakten: Hochschultypen - Frauenanteile – Informatik
Diese Datensammlung gibt eine Übersicht über die wichtigsten Kennzahlen in Bezug auf den Frauenanteil im Studienbereich Informatik und die Arbeitsmarktsituation von Frauen im Informatik-Bereich. Die Informationen werden als Hintergrundinformation im Rahmen des Vorhabens FRUIT - Erhöhung des Frauenanteils im Studienbereich Informationstechnologie durch Maßnahmen flexibler, praxisorientierter und interdisziplinärer Studienganggestaltung genutzt, welches mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1635 gefördert wird. Das Ziel des Projektes ist es, konkrete und verwertbare Maßnahmen und Handlungsempfehlungen entwickeln zu können, welche zu einem höheren Anteil an Frauen in IT-Studiengängen sowie auch in IT-Berufen führen können. Diese Datensammlung soll hierfür die nötigen Hintergrundinformationen liefern.
Als PDF abrufbar:
http://www.che.de/downloads/FRUIT_Factsheet_Informatik_Deutschland_Frauen_final_20180426.pdf

Ergebnisse Fokusgruppe
Die Fokusgruppe umfasste Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Genderforschung, aus verschiedenen Bereichen der Informatik, aus Unternehmen, mit Expertise im Bereich digitale Lehre, Flexibilisierung und Praxisbezug im Studium. Das Ergebnis des Workshops mit der Fokusgruppe war der Fragebogen, der an Bachelorstudierende in der Informatik versandt wurde.
Als PDF abrufbar:
http://www.che.de/downloads/FRUIT_Frauen_in_IT_Ergebnisse_Fokusgruppe.pdf

Ergebnis Expert(inn)enworkshops
In vier Workshops mit Expertinnen und Experten zu den Themen "Inhaltliche (Um)gestaltung des Studiums", "Flexibilisierung des Studiums", "Verzahnung von Theorie- und Praxis" sowie "(Teil-)Digitalisierung der Hochschullehre" wurden Bereiche definiert, in denen Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden sollten, um das Studium attraktiver für Frauen zu gestalten.
Als PDF abrufbar:
http://www.che.de/downloads/FRUIT_Frauen_in_IT_Ergebnis_Workshops.pdf