Bild erstellt mit KI Fast jede dritte Person, die in Deutschland direkt an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) promoviert, forscht in Bayern. Auch bei gemeinsamen Promotionsverfahren von Universitäten und HAW liegt der Freistaat vorn. Bundesweit hat sich die Zahl der Promovierenden an HAW innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Sachsen droht als einziges Land ohne eigenes Promotionsrecht für HAW dagegen den Anschluss zu verlieren.
Bayern führt den bundesweiten Vergleich bei Promotionen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) an. Im Jahr 2025 arbeiteten dort 499 Personen direkt an einer HAW an ihrer Doktorarbeit. Das entspricht knapp 30 Prozent aller 1.667 HAW-Promovierenden in Deutschland. Auf den weiteren Plätzen folgen Hessen mit 377, Nordrhein-Westfalen mit 327 und Baden-Württemberg mit 273 Personen. Dies zeigt der CHECK „Promotionsrecht für HAW in Deutschland“ des CHE mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Auch bei gemeinsamen Promotionsverfahren von Universitäten und HAW liegt Bayern an der Spitze. Bei diesen sogenannten kooperativen Promotionen betreuen jeweils beide Hochschulen die Doktorarbeit gemeinsam. Das Promotionsrecht liegt jedoch weiterhin bei der Universität. Im Jahr 2025 zählte Bayern hier 520 Promovierende, gefolgt von Sachsen mit 266, Baden-Württemberg mit 261 und Nordrhein-Westfalen mit 207 Personen.
Zahl der HAW-Promovierenden hat sich mehr als verdreifacht
Bundesweit gewinnt die Promotion an HAW deutlich an Bedeutung. 2023 zählte das Statistische Bundesamt noch 455 Promovierende an HAW. Zwei Jahre später waren es bereits 1.667. Damit hat sich die Zahl mehr als verdreifacht.
„Die jüngsten Zahlen zeigen, dass die eigenständige Promotion an HAW sich etabliert hat. 14 von 16 Ländern räumen ihren HAW diese Möglichkeit ein, Ende des Jahres wird mit Niedersachsen das vorletzte Land nachziehen. Die forschungsstarken Hochschulen sind gut vorbereitet und nutzen diese Möglichkeit“, sagt Ulrich Müller, Leiter politische Analysen beim CHE und Autor der Publikation.
Trotz des starken Wachstums bleibt der Anteil reiner HAW-Promotionsverfahren bislang gering. Von den insgesamt rund 216.000 Promovierenden in Deutschland forschen weniger als ein Prozent direkt an einer HAW. Ein Grund: Die meisten Bundesländer haben das eigenständige Promotionsrecht erst in den vergangenen Jahren eingeführt.
Sachsen droht ein Wettbewerbsnachteil
Während Bayern und andere Bundesländer die Promotionsmöglichkeiten für HAW ausbauen, hält Sachsen am bisherigen Privileg der Universitäten fest und könnte schon Ende des Jahres das einzige Land ohne entsprechende gesetzliche Regelung sein.
Dabei besteht auch in Sachsen großes Interesse an Promotionen unter Beteiligung von HAW. Mit 266 kooperativ Promovierenden liegt das Land – vermutlich mangels Alternative für HAW-Absolvent*innen – bundesweit auf dem zweiten Platz. Eine eigenständige Promotion an einer sächsischen HAW ist jedoch weiterhin nicht möglich.
Bereits Anfang Oktober hatte Müller bei einer Anhörung im Sächsischen Landtag vor den Folgen gewarnt: „Ein Verzicht auf ein eigenständiges HAW-Promotionsrecht wäre ein gravierender Wettbewerbsnachteil für Sachsen“. Aus Sicht des CHE bietet die Drittmitteleinwerbung der sächsischen HAW gute Voraussetzungen, um besonders forschungsstarken Bereichen ein eigenes Promotionsrecht zu ermöglichen.
Strenge Qualitätsstandards widerlegen frühere Bedenken
„Zum Start vor zehn Jahren befürchteten Kritiker noch einen Qualitätsverlust durch HAW-Promotionen. Heute sehen wir, dass an HAW teilweise sogar klarere und verbindlichere Qualitätsstandards gelten als an Universitäten. Die damaligen Befürchtungen, HAW-Promotionen seien Doktorarbeiten zweiter Klasse, haben sich nicht bestätigt“, sagt Müller.
Ein wesentlicher Grund für die hohe Akzeptanz der HAW-Promotionen seien die hohen Qualitätsanforderungen. Die Länder vergeben das Promotionsrecht gezielt nur an forschungsstarke Bereiche. Die beteiligten Professorinnen und Professoren müssen ihre Forschungsleistungen und Drittmitteleinwerbungen nachweisen. Hinzu kommen klare Vorgaben für die Betreuung und die Qualitätssicherung.
Das CHE empfiehlt, die besonderen Stärken der HAW auch bei Promotionen sichtbar werden zu lassen. Dazu zählen vor allem der enge Praxisbezug, die Zusammenarbeit mit Unternehmen und gesellschaftlichen Einrichtungen sowie die Forschung an konkreten Problemen.
Über die Publikation:
Der CHECK „Promotionsrecht für HAW in Deutschland – Update Oktober 2026“ von Ulrich Müller bietet einen Überblick über die Promotionsmöglichkeiten in allen 16 Bundesländern. Er beschreibt die unterschiedlichen Modelle, vergleicht die rechtlichen Regelungen und wertet Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025 aus. Außerdem ordnet das CHE die Entwicklung ein und formuliert Empfehlungen für die weitere Gestaltung von Promotionen an HAW.
CHECK Promotionsrecht für HAW in Deutschland - Update Oktober 2026 2.27 MB 22 downloads
Müller, Ulrich: CHECK Promotionsrecht für HAW in Deutschland - Update Oktober 2026,...

