Foto: Adobe StockEine gute Abiturnote verliert für den Start ins Studium weiter an Bedeutung. Die meisten Studienangebote deutscher Hochschulen stehen allen Abiturient*innen offen. Nur noch 31,6 Prozent aller Studienangebote haben im kommenden Wintersemester eine Zugangsbeschränkung wie etwa einen Numerus Clausus oder ein Eignungsfeststellungsverfahren. Im Bachelor ist die Quote noch geringer. Die höchsten Anteile zugangsbeschränkter Studiengänge gibt es in Berlin und Baden-Württemberg. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.
Anteil der Studiengänge ohne Beschränkungen steigt weiter an
Zum kommenden Wintersemester 2026/27 stehen mehr als zwei Drittel der Studienangebote an deutschen Hochschulen Studieninteressierten unabhängig von ihrer Abiturnote offen. Die bundesweite Quote an Zugangsbeschränkungen liegt bei 31,6 Prozent. Das entspricht einem Rückgang um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Als zugangsbeschränkte Studienangebote werden örtlich und bundesweit zulassungsbeschränkte Angebote gezählt sowie solche, bei denen ein Auswahlverfahren oder eine Eignungsprüfung stattfindet.
Noch niedriger liegt die Quote für Studienangebote im Bachelor-Bereich. Diese liegt im kommenden Wintersemester nur noch bei 28,7 Prozent. Das bedeutet in sieben von zehn Bachelorstudiengängen können sich Studierende unabhängig von der Abiturnote in unbegrenzter Zahl einschreiben. Vor zehn Jahren war mit einem Anteil von 47,6 Prozent noch jeder zweite Bachelor-Studiengang zugangsbeschränkt.
Chancen auf Wunschstudienplatz so gut wie noch nie
„Der sogenannte Numerus Clausus verliert für Studieninteressierte in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Die Chancen seinen Wunschstudiengang an der jeweiligen Wunschhochschule zu studieren, waren wohl noch nie so gut wie aktuell“, bilanziert Cort-Denis Hachmeister. „Selbst in bundesweit zugangsbeschränkten Wunschfächern wie Medizin oder Pharmazie verbessere sich das Verhältnis von Bewerber*innen zu Studienplätzen zugunsten der Studierenden“, so der Experte für das Thema Hochschulzugang beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Zum Wintersemester kamen 3,1 Bewerbende auf einen Medizinstudienplatz an einer staatlichen Universität, in Pharmazie lag die Quote sogar nur bei 2,8.
Berlin mit den höchsten Anteilen, Hamburg mit deutlichem Rückgang
An Berliner Hochschulen ist im kommenden Wintersemester 2026/27 mit 53,5 Prozent mehr als die Hälfte der Studiengänge zugangsbeschränkt. Es folgen Baden-Württemberg (46,2 %), das Saarland (44,1 %) und Bremen (43,7 %) mit Werten von jeweils über 40 Prozent.
Hamburg als „Spitzenreiter“ des Wintersemesters 2024/25 hat den Anteil zugangsfreier Angebote weiter extrem ausgebaut. In nur zwei Jahren sank die Quote zugangsbeschränkter Studienangebote von 62,4 auf 37,6 Prozent. Dies ist vor allem einem starken Rückgang und der niedrigen Quote von 16,9 Prozent an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften geschuldet. An den Hamburger Universitäten ist noch jedes zweite Studienangebot zugangsbeschränkt.
Beste Chancen auf einen Wunschstudienplatz gibt es in Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz, wo nicht einmal jeder fünfte Studiengang zugangsbeschränkt ist.
Schwieriger sieht es noch in einigen Großstädten aus. In Leipzig und München ist weiterhin noch mehr als die Hälfte der Studiengänge mit einer Zulassungsbeschränkung oder einer Eignungsprüfung versehen.
Auf den weitgehenden Ausfall der Abiturjahrgänge durch die G8/G9-Umstellung in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Schleswig-Holstein haben die Hochschulen in diesen Ländern offenbar nicht mit einem weiteren Abbau von Zugangsbeschränkungen reagiert. Zwar gab es in NRW einen leichten Rückgang von 0,7 Prozentpunkten, in Schleswig-Holstein allerdings eine Zunahme von 1,4 Prozentpunkten.
Keine Unterschiede bei Zugangsbeschränkungen zwischen Unis und FHs
Je nach Fach, Hochschultyp und Abschlussart variiert die Quote zugangsbeschränkter Studienangebote stark: In den Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften sind bundesweit 36,2 Prozent der Studiengänge zugangsbeschränkt. In den Ingenieurwissenschaften stehen mehr als drei Viertel der Angebote allen Erstsemestern unabhängig von ihrer Abiturnote offen. Gut ist der Zugang auch in Mathematik, den Natur-, Sprach- und Kulturwissenschaften.
Der Hochschultyp spielt mittlerweile für die Chancen auf einen Studienplatz nahezu keine Rolle mehr. Mit 28,5 bzw. 28,8 Prozent liegen die Quoten an Universitäten bzw. Fachhochschulen/Hochschulen für angewandte Wissenschaften mittlerweile auf identischem Niveau.
Über die Publikation:
Grundlage des „CHECK – Zugangsbeschränkungen an deutschen Hochschulen 2026/27“ sind die Daten des Hochschulkompasses der Hochschulrektorenkonferenz für rund 22.700 Studienangebote im Wintersemester 2026/27 sowie entsprechende Vergleichsdaten der vergangenen Jahre. Die Länderquoten wurden bezogen auf den Hauptsitz der Hochschule ermittelt. Bei ortsbezogenen Quoten werden alle Studienangebote am jeweiligen Studienort gezählt. Dadurch kann es bei Stadtstaaten zu kleineren Abweichungen zwischen Landes- und Ortsquote kommen. Bundesland, Hochschultyp, Abschlussart und Fächergruppe dienten als Analysekriterien für die Autor*innen Cort-Denis Hachmeister und Anna Gehlke. Das CHE analysiert den Anteil an Zugangsbeschränkungen jährlich regelmäßig seit 2013.
CHECK - Zugangsbeschränkungen an deutschen Hochschulen 2026/27 23. Juni 2026 2.41 MB 68 downloads
Hachmeister, Cort-Denis, Gehlke, Anna: CHECK - Zugangsbeschränkungen an deutschen...

