Die Hochschul- und Wissenschaftskommunikation von heute ist längst nicht mehr mit der von vor zehn Jahren zu vergleichen. Während Hochschulen sich in einem zunehmend unvorhersehbaren und komplexen gesellschaftlichen Umfeld bewegen, verändert sich auch die Rolle von Hochschulleitungen und die der Governance in Kommunikationsprozessen. Hochschulleitungen sind gefordert, Kommunikation strategisch im Sinne der eigenen Ausrichtung und des Hochschulprofils aufzusetzen. Zugleich stehen sie unter Druck, mit – manchmal unvorhersehbaren, häufig mittlerweile auch erwartbaren – kritischen Ereignissen kommunikativ professionell umzugehen: Dabei sollten sie nicht nur reagieren, sondern eine professionelle Kommunikation auch vorbereiten. Hochschulleitungen sehen sich dabei immer öfter Erwartungen von innen und außen ausgesetzt, sich zu positionieren und „Haltung“ zu zeigen. Dabei spielen die Wissenschaftsfreiheit, die Meinungsfreiheit und der „Ruf nach einer (vermeintlichen) Neutralität“ in der Wissenschaft eine immer größere Rolle.
Wie können die äußeren Entwicklungen und Erwartungen heute als Teil einer „normalen Realität“ und als relevanter Baustein in die Kommunikationsstrategie integriert werden? Und wie verändert dies die Rolle der Hochschulleitung in der Kommunikation?
Konkrete Fallbeispiele und aktuelle Entscheidungen an den Hochschulen
Im Workshop wird an konkreten Fällen und vergangenen, aktuellen oder anstehenden Entscheidungen in Bezug auf Kommunikation gearbeitet. Diese können sich in dem oben aufgezeigten Spannungsfeld befinden, gern aber auch nur eine der beiden Ebenen abbilden. Im Workshop werden die Fälle und Situationen im Austausch mit den anderen Kolleg*innen und durch Feedback der Trainerin behandelt und gemeinsam im geschützten Raum beraten.
Im Fokus des Workshops stehen die Fragen:
- Strategie trifft Realität: Wie lassen sich strategische Themen wie Leitbild oder Forschungsschwerpunkte kommunizieren, wenn zugleich politische Entwicklungen (z. B. Nahostkonflikt, Angriff auf die Ukraine) oder auch interne Krisenfälle (z. B. Machtmissbrauch, Plagiat) hohe Aufmerksamkeit und rasche Reaktionen erfordern?
- Krisen und Haltung: Wann, wie und warum sollten Hochschulen Stellung zu gesellschaftlichen oder politischen Ereignissen beziehen – und wann, wie und warum nicht? Worin bestehen dabei Gestaltungsräume für Hochschulleitungen?
- Begriffsklärungen: Wie sind dabei die zentralen Themen Wissenschaftsfreiheit, Meinungsfreiheit und „Neutralität“ in der Wissenschaft zu unterscheiden? Wie können Hochschulleitungen sie in ihrem Entscheidungsprozess nutzen – und wann und wie werden diese Begriffe auch instrumentalisiert?
- Entscheidungsfindung: Welche Governance-Strukturen unterstützen ein professionelles Agieren im Krisenfall und wie unterscheiden sich diese Prozesse von anderen Kommunikationsformen bzw. wie ist beides im Idealfall zu integrieren?
Vorgehen
Methodisch wechseln sich der Input aus der Praxis- und Beratungserfahrung der Trainerin, Beiträge der Teilnehmer*innen, kollegiale Fallberatungen mit Supervisionsanteil und moderierter Erfahrungsaustausch ab. Voraussichtlich können im Rahmen des Workshops vier verschiedene Fälle beraten werden; weitere Situationen und spezifische Fragestellungen der Teilnehmer*innen werden im Zuge der unterschiedlichen thematischen Blöcke Raum haben.
Die Teilnehmer*innen werden vier Wochen vor dem ersten Termin über den Ablauf sowie die Gruppenzusammensetzung informiert und darum gebeten, eine kurze Falldarstellung anzufertigen und an die Trainerin zu schicken, damit der Workshop bedarfsorientiert vorbereitet werden kann.
Zielgruppe: Präsident*innen/Rektor*innen, Vize-Präsident*innen/Prorektor*innen, Kanzler*innen
Termine:
- Präsenzmodul in Berlin:
29. und 30. Oktober 2026;
Donnerstag 10:30 bis 20:30 Uhr (inkl. Kamingespräch am Abend), Freitag, 9.00 bis 16:30 Uhr - Digitaler Follow-up-Termin per Zoom:
Freitag, 15. Januar 2027, 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Maximale Teilnehmer*innen-Zahl: 15
Trainerin und Moderatorin:
Julia Wandt, Expertin für Kommunikation und Strategie, mit dem Schwerpunkt Hochschul- und Wissenschaftskommunikation, Strategieentwicklung für wissenschaftliche Einrichtungen sowie wissenschaftliche Politikberatung, hat über zwanzigjährige Berufserfahrung an Universitäten (Göttingen, Konstanz und Freiburg, dort als Teil der Universitätsleitung) sowie als Beraterin im deutschen Wissenschaftssystem. Schwerpunkte ihrer Expertise liegen zudem in der Begleitung von Universitäten in der Exzellenzinitiative bzw. der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder, in der Krisenkommunikation sowie im Bereich „Haltungskommunikation“ in Verbindung mit Wissenschaftsfreiheit, Meinungsfreiheit und der Frage nach „Neutralität“ in der Wissenschaft.
Anmeldeschluss: 26. August 2026


