Foto: Adobe StockEin Medizinstudium im Ausland ist für Studieninteressierte kein Ausnahmephänomen mehr. Aktuell nutzen mindestens 8.800 Deutsche Studienangebote außerhalb Deutschlands. Beliebt sind vor allem Österreich, Ungarn und Bulgarien. Daneben zeigt der aktualisierte Ratgeber des CHE: Gerade internationale Studiengänge im Ausland sind oft mit hohen Kosten von bis zu 30.000 Euro pro Jahr verbunden.
Medizinstudium im Ausland ist keine Ausnahmeerscheinung mehr
Humanmedizin gehört weiterhin zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland. Gleichzeitig bleibt der Zugang zum Medizinstudium stark begrenzt. Viele Studieninteressierte suchen deshalb Alternativen im Ausland. Wie groß diese Gruppe inzwischen ist, zeigen – allerdings unvollständige – Daten des Statistischen Bundesamtes für das Wintersemester 2023/24. Laut diesen sind mindestens 8.821 Deutsche für ein Studium der Humanmedizin im Ausland eingeschrieben. An deutschen Hochschulen waren im Wintersemester 2024 insgesamt 103.176 deutsche Studierende im Fach Humanmedizin eingeschrieben. Damit ist gut jede*r elfte deutsche Medizinstudierende im Ausland immatrikuliert.
„Das Medizinstudium im Ausland ist längst keine Ausnahmeerscheinung mehr. Für viele deutsche Studieninteressierte, die es sich finanziell leisten können, ist es zu einer realen Alternative geworden – gerade weil die Zahl der Studienplätze in Deutschland weiterhin begrenzt ist“, sagt Gero Federkeil, Leiter Internationale Rankings beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung.
Rund die Hälfte der Deutschen studiert in Ost- und Südosteuropa
Das beliebteste Zielland deutscher Medizinstudierender im Ausland ist Österreich. Dort waren zuletzt 2.563 deutsche Studierende der Humanmedizin eingeschrieben. Es folgen Ungarn mit 1.930, Bulgarien mit 1.131 und die Schweiz mit 802 Studierenden.
Das Medizinstudium im Ausland folgt dabei zwei unterschiedlichen Modellen. Etwa die Hälfte der deutschen Medizinstudierenden im Ausland ist in den regulären nationalen Studiengängen des jeweiligen Gastlandes eingeschrieben. Die andere Hälfte studiert, vor allem in Ost- und Südosteuropa, in speziellen Programmen für internationale Studierende. Diese werden häufig auf Englisch, an einigen Standorten auch auf Deutsch angeboten und richten sich gezielt an Bewerber*innen aus dem Ausland.
Eine besondere Rolle spielen zudem Kooperationsmodelle ausländischer Hochschulen mit Standorten oder Praxisphasen in Deutschland. Hier wird in der Regel das vorklinische Studium an der Universität im Ausland und das klinische Studium in Krankenhäusern in Deutschland absolviert. Dazu zählen unter anderem Modelle in Nürnberg, Hamburg, Kassel, Coburg und an weiteren Standorten. Der Abschluss wird dabei von der ausländischen Hochschule vergeben.
Studiengebühren von jährlich bis zu 30.000 Euro
Gerade bei internationalen Angeboten empfehlen die Autor*innen des „CHECK Medizinstudium im Ausland“ aber einen genauen Blick auf die Konditionen. Während in regulären EU-Studiengängen für deutsche Studierende in der Regel dieselben Bedingungen und Gebühren gelten wie für einheimische Studierende, haben spezielle internationale Studiengänge eigene Zulassungsvoraussetzungen und teils deutlich höhere Kosten. Die Studiengebühren können je nach Hochschule und Modell bis zu 29.800 Euro pro Jahr betragen. Hinzu kommen häufig Bewerbungs-, Aufnahme- oder Einschreibegebühren.
„Auch wenn viele Programme mit englischsprachiger Lehre werben, bleiben Kenntnisse der jeweiligen Landessprache häufig wichtig“, rät Caroline Friedhoff. „Spätestens in der klinischen Ausbildung und im direkten Kontakt mit Patient*innen sind Sprachkenntnisse in vielen Ländern notwendig oder werden dringend empfohlen“, so die Co-Autorin des Ratgebers.
Auslandsstudierende als Option gegen den Ärzt*innenmangel
Deutsche Medizinstudierende im Ausland können grundsätzlich ein relevantes Potenzial für die spätere ärztliche Versorgung darstellen. Wer über den Ärzt*innenmangel spricht, sollte auch die deutschen Medizinstudierenden im Ausland in den Blick nehmen, rät Gero Federkeil. „Zwar haben einige internationale Hochschulen in unserer Befragung angegeben, dass die Mehrzahl ihrer deutschen Absolvent*innen nach Deutschland zurückgekehrt sind, aber diese Angaben können nicht generalisiert werden. Hier braucht es eine bessere und offizielle Datengrundlage, die leider nach wie vor fehlt“, so der Leiter Internationale Projekte beim CHE.
Über die Publikation
Der Ratgeber bietet auf 139 Seiten Studieninteressierten, Eltern, Beratungsstellen und Hochschulen eine Orientierung über Angebote, Konditionen und zentrale Prüfpunkte für ein Medizinstudium im europäischen Ausland. Der CHECK enthält Informationen zu Studienmöglichkeiten in insgesamt 20 Ländern und beinhaltet Steckbriefe zu 54 speziellen Humanmedizin-Angeboten für internationale Studierende, insbesondere in Ost- und Südosteuropa. Diese bieten Informationen zu Studiengebühren, Studiendauer, Studienaufbau und -abschluss, Unterrichtssprache, Anzahl der Studienplätze, Besonderheiten und nationalen Lebenshaltungskosten. Neben den wichtigsten Links gibt es kompakt gebündelte Informationen zum Zulassungsverfahren und der Bewerbungsfrist für das nächste verfügbare Studienangebot. Stichtag der Erhebung war Mai 2026. Autor*innen des CHECKs „Medizinstudium in Europa“ sind Gero Federkeil und Caroline Friedhoff. Weitere Informationen zum Zulassungsverfahren in Deutschland gibt es auch in den CHE Ratgebern CHE kurz + kompakt – Auswahlverfahren Medizinstudium und CHE kurz + kompakt – Studium ohne Abitur: Medizin und Pharmazie.
CHECK Medizinstudium in Europa - Angebote und Zugangsbedingungen für deutsche Studieninteressierte - Ausgabe 2026 17. Juni 2026 3.06 MB 15 downloads
Federkeil, Gero; Friedhoff, Caroline; Heising, Fenna : CHECK Medizinstudium in Europa...

