Einleitung

Relevanz für Deutschland

Aktuelle Umfragen und Prognosen lassen es nicht ausgeschlossen erscheinen, dass in Zukunft in deutschen Ländern oder auf Bundesebene eine in Teilen rechtsextreme, größtenteils rechtspopulistische Partei in Wahlen eine gestaltende Mehrheit erringt. Diese könnte sich im Bereich der Wissenschaftspolitik an der Agenda orientieren, wie sie US-Präsident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit verfolgt.

Prägende Akteure der Alternative für Deutschland (AfD) finden durchaus bewundernde Worte für Trumps Versuche der Umgestaltung der US-amerikanischen Hochschullandschaft und betonen die gegenseitige inhaltliche Nähe. Beispielsweise äußerte Dr. Hans-Thomas Tillschneider, Sprecher für Bildung, Kultur und Wissenschaft sowie Religionspolitik der AfD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt, in der Plenardebatte am 13. Mai 2025 die klare Einschätzung, dass sich in den USA „gerade die Freiheit machtvoll Bahn bricht“. Weiter hält Tillschneider fest, Donald Trump sei derjenige, der „die Wissenschaftsfreiheit wiederherstellt, indem er linken Schwätzern und Pseudowissenschaftlern endlich – endlich! – den Geldhahn zudreht.“

Wenn man die Stellungnahmen und Berichterstattung zu den Ereignissen in den USA betrachtet, teilen die meisten hiesigen Wissenschaftspolitiker*innen und Hochschulleitungen diese Einschätzung Tillschneiders nicht einmal ansatzweise. Im Gegenteil dürften solche und ähnliche Äußerungen von Politiker*innen rechtspopulistischer Parteien Sorgen erwecken: Welchen Veränderungen wäre die deutsche Hochschullandschaft ausgesetzt, würden hierzulande Parlamente Gesetze beschließen und Wissenschaftsministerien Verordnungen erlassen, die sich an denen orientieren, welche seit Januar 2025 die US-amerikanischen Hochschulen in Unruhe versetzen?

Für deutsche Hochschulen und Wissenschaftsinstitutionen lohnt daher ein Blick über den Atlantik. Es ist nicht auszuschließen, dass auch deutsche Universitäten und HAW sich über kurz oder lang ähnlichen Angriffen ausgesetzt sehen könnten wie etwa die Harvard University im vergangenen Jahr.

Situation in den USA

Am 20. Januar 2025 startete in den USA die zweite Präsidentschaft von Donald Trump. Für die Hochschullandschaft begann sie gleich mit einem Schock: Noch am Tag des Amtsantritts erließ Trump mehrere präsidiale Anordnungen (sog. Executive Orders), um seiner Auffassung nach bestehende „ideologische Einschränkungen“ an Hochschulen zu beenden.

Die Vorhaben für Trumps zweite Amtszeit waren, unter anderem durch das Playbook „Mandate for Leadership. Project 2025“ der Heritage Foundation, besser vorbereitet als jene für die erste, in dessen Vorfeld sein Wahlsieg unwahrscheinlicher schien. Gleichzeitig aber folgen die seit Anfang 2025 umgesetzten politischen Initiativen Trumps nicht wirklich stringent einer klaren Linie. Sie wirkten für Beobachter*innen immer wieder erratisch, impulsiv und widersprüchlich. Verschiedene, einander überlagernde Ereignisse hielten und halten Hochschulleitungen, aber auch Mitarbeitende und (potenzielle) Studierende in Atem (und von ihrer eigentlichen Arbeit ab). Stand heute (Februar 2026) ist noch nicht klar, ob irreparable Schäden entstanden sind, welche Vorhaben Trump letztlich realisieren konnte und wie Gerichte letztinstanzlich entscheiden werden.

Deutsche Hochschulen: resilient?

Auch wenn sich das deutsche Hochschulsystem in einigen Punkten klar vom US-amerikanischen unterscheidet, ist es wichtig zu identifizieren, wo Schwachpunkte für Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit liegen könnten – und wie Hochschulen sich resilient aufstellen können. Deutsche Hochschulen und Wissenschaftsinstitutionen verfolgen daher aufmerksam die unerfreulichen Geschehnisse der letzten Monate in den USA. Diese Seite möchte solche Überlegungen unterstützen. Sie bietet dreierlei:  

  • Den Versuch eines ersten, knappen Zwischenfazits der wissenschaftspolitischen Situation in den USA.
  • Einen detaillierten Überblick über wesentliche Entwicklungen in der US-amerikanischen Hochschullandschaft seit Januar 2025 in Form einer Chronik. Diese wird in regelmäßigen Abständen ergänzt. Wo möglich, wird auf entsprechende Dokumente und Veröffentlichungen verlinkt.
  • Ein Glossar mit einer Erläuterung wichtiger Abkürzungen und Institutionen.

Erstes Zwischenfazit

Die sich überstürzenden und in der Gesamtschau beinahe erschlagenden Geschehnisse im US-amerikanischen Hochschulsystem seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit bedürfen einer vertieften Analyse. An dieser Stelle kann zunächst nur eine vorläufige Zwischenbilanz gezogen werden.

Motivlage

Bemerkenswert ist zunächst, dass der Umgang der MAGA-Bewegung mit dem Hochschul- und Wissenschaftssektor nicht widerspruchsfrei ist. Präsident Donald Trump bedrängt in seiner zweiten Amtszeit v. a. die Geisteswissenschaften; eine Skepsis gegenüber wissenschaftlichem Denken an sich scheint hier sehr ausgeprägt. Vizepräsident J.D. Vance äußerte bereits in seiner NatCon-RedeThe Universities are the Enemy“ im November 2021 unverhohlen, Universitäten seien „hostile institutions“, also „feindselige Einrichtungen“, die konservative Politik systematisch behindern. Als zugespitztes Feindbild griff er dabei das Nixon-Zitat „the professors are the enemy“ auf und verband es mit dem Appell, Universitäten politisch „aggressiv“ anzugehen. Erstaunlich genug, dass dieser Anti-Eliten-Kampf gerade auch von republikanischen Akteuren in Regierungsverantwortung befeuert wird, die selbst an elitären Einrichtungen studiert haben.

Ungeklärt bleibt, ob es bei einer „America First“-Einstellung nicht naheliegender wäre, US-amerikanische Hochschulen und damit die akademische Elite in den USA zu priorisieren und etwa die Ingenieurwissenschaften vehement zu fördern. Ob das im Slogan „Make America great again“ formulierte Ziel einer nationalen Stärkung nicht eigentlich eher mit Spitzenpositionen, internationaler Attraktivität und Ansehen der USA im Bereich Forschung und Innovation zusammenhängen sollte, wird offensichtlich nicht weiter reflektiert. Möglicherweise bezieht sich das „great again“ auf eine Periode der 1950er Jahre, in der viele weiße, männliche Amerikaner auch ohne Studium beruflich äußerst erfolgreich sein konnten – fraglich bleibt, ob eine solche Phase unter veränderten weltökonomischen Rahmenbedingungen reproduzierbar ist.

In einem lesenswerten Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 15. Januar 2026 konstatieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt aus Harvard: „… es ist ja ziemlich klar, warum Autoritäre weltweit Universitäten nicht mögen: Sie sehen in ihnen Orte von Debatten, Quellen von Ideen, die oft gegen Autoritarismus und gegen die Mächtigen gerichtet sind. Die wertvolle Arbeit in den eher unpolitischen Wissenschaftssparten, die an Universitäten stattfindet, ist dabei ein unbeabsichtigtes Opfer dieser Angriffe. Die Trump-Regierung scheint nicht zu verstehen, wie sehr die Forschung zum amerikanischen Wohlstand und Lebensstandard beigetragen hat.“

Georg Mein formuliert in einem Gastkommentar in DIE ZEIT vom 25. Februar 2026 treffend, dass Universitäten „für die Gesellschaft treuhänderisch das Paradigma der Rationalität“ handhaben. Trump, der versuche, demokratische Grundwerte außer Kraft zu setzen, attackiere Universitäten massiv, weil sie als Institutionen „auf Evidenzen, Methoden der Nachprüfbarkeit und Mechanismen der Selbstkorrektur“ setzen und dadurch Spiegelbild demokratischer Mechanismen sind. Sie seien „Orte, an denen Widerspruch nicht stört, sondern erwartet wird“.

Hauptangriffspunkte

Weder in der Amtsführung von Donald Trump noch in der von ihm geprägten Wissenschaftspolitik ist ein „roter Faden“ erkennbar. Es bleibt festzuhalten, dass seine Agenda erkennbar nicht von einer Stärkung der Wissenschaft und ihrer Selbstverwaltung, von einem Ausbau der Hochschulfinanzierung, von einem Forcieren des internationalen Austauschs und der Öffnung für unterrepräsentierte Zielgruppen bestimmt ist – sie ist vielmehr vom genauen Gegenteil geprägt.

Grundsätzlich lassen sich folgende Hauptangriffspunkte auf Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit erkennen:

  • Der Versuch einer gravierenden Einschränkung des internationalen Austauschs trifft Hochschulen ins Mark – und zielt auf einen bedeutsamen Baustein des Geschäftsmodells amerikanischer Ivy-League-Universitäten, nämlich der Studiengebührenzahlungen internationaler Studierender.
  • Der Versuch der „Unterwerfung“ von Hochschulen, die sich weigern, ihre Studieninhalte oder ihre Auswahlverfahren im Sinne der Regierung zu gestalten, durch Ausübung von finanziellem Druck ist für Hochschulen potenziell existenzbedrohend. US-amerikanische Hochschulen, auch die Privathochschulen, sind für ihre Aktivitäten auf staatliche Förderung angewiesen.
  • Der Versuch, Diversitätsförderung grundsätzlich zu verhindern, greift tief in Handlungsspielräume der Hochschulen ein. Es steht einer Regierung selbstverständlich frei, DEI-Maßnahmen nicht per Anreizsetzung zu fördern. Diese jedoch vollständig ausschließen zu wollen, zeugt von einem Verständnis von Hochschulen als untergeordneten und unselbständigen Einrichtungen.
  • Die „Bekämpfung des Antisemitismus“, welcher die Trump-Administration hohe Priorität einräumt, wird von vielen als Vorwand verstanden für eine Bekämpfung unerwünschter Player, „Ideologien“ und letztlich der Demontage der Hochschulautonomie unter einem Deckmantel.
  • Die Hochschulen in den USA sind deutlich staatsferner aufgestellt und gesteuert als die deutschen; private Institutionen spielen eine viel prägendere Rolle als hierzulande. Eine Auflösung des Bildungsministeriums, wie Trump es anstrebt, würde entsprechend nicht zu mehr Hochschulautonomie führen, sondern zu einem Verlust an Rückendeckung und Koordination. Noch ist dieser Schritt nicht vollständig vollzogen. Bereits jetzt wirkt sich negativ aus, dass das Bildungsministerium sich nicht als Fürsprecher und Anwalt der Hochschulen versteht, sondern aktiver Teil der Gängelung ist.

Insgesamt gesehen kosten allein die Phasen der Unsicherheit, die nicht vorhersehbaren Drehungen und Wendungen und die immer neu auftauchenden staatlichen Interventionen unterschiedlicher Art den Hochschulen viel Zeit, Energie und Geld. Strategische Planung und eine Konzentration auf die eigentlichen Aufgaben sind bei Wissenschaftler*innen und Hochschulleitungen unter solchen Voraussetzungen und in ständiger Anspannung schwer leistbar.

Kampf einzelner Hochschulen

Erkennbar ist der Versuch der aktuellen US-amerikanischen Regierung, an ausgewählten Hochschulen ein „Exempel“ zu statuieren. Es werden nicht alle Hochschulen gleichermaßen in den Blick genommen, sondern an besonders prestigeträchtigen wird beispielgebend „vorgeführt“, wer vermeintlich am längeren Hebel sitzt.

Zwar beschreiten immer wieder Hochschulen gemeinsam den Rechtsweg und es hat vereinzelt gemeinsame Statements gegeben, aber bis jetzt bleibt eine geschlossene Reaktion des US-Hochschulsystems aus. Das liegt vermutlich an der enormen Heterogenität der US-amerikanischen Hochschullandschaft, der unterschiedlichen Betroffenheit der Institutionen und den konkurrierenden Partikularinteressen. Hochschulen erheben daher nicht flächendeckend gemeinsam die Stimme und positionieren sich nicht geschlossen deutlich gegen die Übergriffe.

Im Falle von Harvard tragen auch die enormen finanziellen Rücklagen der Hochschule dazu bei, standhaft bleiben zu können und politischen Gegenwind auszuhalten. Andere Hochschulen verfügen nicht über ähnliche Ressourcen. Doch auch Harvard hat hochschulintern die DEI-Maßnahmen zurückgefahren. Die Campuskultur verändert sich an vielen Hochschulen in den USA, teilweise im vorauseilenden Gehorsam.

Was sich aber seit Anfang 2025 auch ändert, sind zunehmende Anstrengungen der Hochschulen, über proaktive Wissenschaftskommunikation die Relevanz der eigenen Forschung herauszustellen und über Storytelling und Interviews den Nutzen der Hochschule zu betonen. Hierdurch erhoffen sich Hochschulen vermutlich eine stärkere Verankerung und Akzeptanz in der Gesellschaft.

Mutmachende Aspekte

Ermutigend bleibt, dass zahlreiche Vorhaben von Trumps Politik (etwa die Aufhebung der Steuerbefreiung von Harvard, oder die geplanten Budgetkürzungen der NIH, NSF und der NASA) aufgrund juristischer Gegenwehr faktisch (noch) nicht (vollständig) Realität wurden. Auch der Kongress hat an einigen Stellen Trumps Rhetorik ausgebremst und etwa eine Neuausrichtung der Wissenschaftsförderung verhindert. Die Checks and Balances funktionieren noch.

Hoffnung macht auch die Tatsache, dass die Spenden an Harvard auf Rekordniveau stiegen, seit sich die Universität den Forderungen des Weißen Hauses widersetzte. Positiv könnte man festhalten: Widerstand gegen die Repression der Wissenschaft findet Rückhalt und Unterstützung in der Gesellschaft. Nicht zuletzt hat auch der Kongress an einigen Stellen Trumps Rhetorik ausgebremst und etwa eine Neuausrichtung der Wissenschaftsförderung verhindert.

Resiliente Hochschulen in Deutschland

Akteure im deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystem tun gut daran, sich bereits jetzt auf Eventualitäten vorzubereiten, um gewappnet zu sein und im Fall des Falles nicht in eine Schockstarre zu verfallen. Als LRKs/LHKs und HRK abgestimmt agieren, zusammenzuhalten und die Öffentlichkeit zu mobilisieren, juristisch präpariert zu sein, so weit wie möglich Finanzquellen zu diversifizieren, durch gute Wissenschaftskommunikation gesellschaftlichen Rückhalt sichern – möglicherweise sind das in Kurzform erste Lehren aus den Ereignissen in den USA.

Hier unter www.resiliente-hochschulen.de dokumentieren wir fortlaufend wichtige Beiträge zur Diskussion um die Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie.

Chronik: Damian Wollai. Einleitung und Zwischenbilanz: Ulrich Müller, Sara Carina Richau und Damian Wollai. Veröffentlicht am 04. März 2026.


Eine Chronik seit 2025

20. Januar 2025

Noch am Tag seines Amtsantritts erlässt Trump Executive Order (EO) 14151: „Ending Radical And Wasteful Government DEI Programs And Preferencing”, in der er das US-Bildungsministerium auffordert, Bundesmittel für (Hoch-)Schulen zu streichen, die „Indoktrination“ auf der Grundlage von „Gender-Ideologie und diskriminierender Gleichstellungsideologie“ fördern. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Neudefinition von „Geschlecht“ zu „sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität“ in Title IX der Bildungsergänzungsgesetze von 1972 abzuschaffen.

Zusätzlich erlässt Trump Executive Order 14149: „Restoring Free Speech and Ending Federal Censorship“. Diese verpflichteten Bundesbehörden, jede Form staatlich unterstützter „Zensur“, womit Trump Eingriffe meint, die er als Einschränkung der Meinungsfreiheit wertet, zu unterbinden. Dadurch geraten hochschulinterne Regeln zu öffentlicher Rede, Protesten oder DEI (Diversity, Equity, Inclusion) stärker unter bundespolitische Beobachtung. Universitäten, die Bundesmittel erhalten, müssen von nun an stärker nachweisen, dass sie „freie Meinungsäußerung“ schützen und keine „ideologischen Einschränkungen“ vornehmen.

27. bis 29. Januar 2025

Das Office of Management and Budget (OMB) erlässt eine Anordnung („Memo M-25-13“), alle Bundeszuschüsse und Kredite (federal grants and loans) zu pausieren, soweit sie mit DEI-Programmen im Zusammenhang stehen. Innerhalb weniger Tage leiten betroffene Organisationen und auch Bundesstaaten rechtliche Schritte gegen diese Maßnahmen der Regierung ein. Ein Bundesgericht untersagt die Pausierung bereits bewilligter, laufender Förderungen – insbesondere die Auszahlungen – bis zur weiteren Klärung.

29. Januar 2025

Trump erlässt Executive Order 14188: „Additional Measures to Combat Anti-Semitism“. Der Erlass thematisiert „anti-Semitic harassment“ an Universitäten und Colleges. Hochschulen werden aufgefordert, mit dem Außen-, Bildungs-, und Heimatschutzministerium zusammenarbeiten, um antisemitische Aktivitäten von ausländischen Studierenden und Mitarbeitenden zu überwachen und zu melden.

6. Februar 2025

Eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten bringt das Scientific-Integrity (SI)-Gesetz im Kongress ein, welches die Wissenschaft auf Bundesebene vor politischer Einmischung schützen soll. Demnach sollen Bundesbehörden, die wissenschaftliche Forschung finanzieren, durchführen oder beaufsichtigen, zu Schutzmaßnahmen verpflichtet werden, um die Unterdrückung oder Veränderung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu politischen oder finanziellen Zwecken zu verhindern.

7. Februar 2025

Die National Institutes of Health (NIH) verkünden, bei staatlichen Forschungszuschüssen für Universitäten die Overheadpauschale von rund 50 auf 15 Prozent zu deckeln.

Die Maßnahme soll kurzfristig am 10. Februar 2025 in Kraft treten. Sie löst starken Gegenwind von akademischer und wissenschaftlicher Seite aus. Als Reaktion fordern Generalstaatsanwälten aus 22 demokratisch geführten Bundesstaaten, Ärzteverbänden und Universitätsvereinigungen eine aufschiebende einstweilige Verfügung vor einem Bundesbezirksgericht in Massachusetts.

13. Februar 2025

Der „Eliminate DEI in Colleges Act“, ein Gesetzesentwurf gegen DEI-Strukturen, wird von dem republikanischem Abgeordneten Gus M. Bilirakis in den US-Kongress eingebracht.

28. Februar 2025

Die neue Federal Task Force to Combat Antisemitism (FTFCA) kündigt an, dass sie zehn Universitäten, darunter Harvard und die Columbia University in New York, besuchen werde, um „antisemitische Belästigungen“ an Schulen zu untersuchen.

März–Mai 2025

Unter dem frühen politischen Druck der Trump-Administration beginnen Universitäten, wie z.B. Harvard, Yale, Princeton oder die University of Michigan ihre Wissenschaftskommunikation sichtbarer auf „Public Value“ auszurichten. Sie erklären auf Webseiten und in Statements stärker, welchen konkreten Nutzen Forschung für Gesundheit, Sicherheit, Wirtschaft und Alltag hat. 

5. März 2025

US-Bezirksrichterin Angel Kelley erklärt die von den NIH im Februar 2025 angekündigten Finanzierungskürzungen für rechtswidrig.

8. März 2025

„We’re going to bankrupt these universities. We’re going to take away every single federal dollar,”: Leo Terrell, droht in Fox News damit, Einrichtungen, die seiner Auffassung nach Antisemitismus zulassen, finanziell zugrundezurichten.

10. März 2025

Trump-Beamte warnen 60 Universitäten, darunter Harvard, vor möglichen Strafen im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Antisemitismus.

Die Universitätsleitung von Harvard kündigt daraufhin einen temporären universitätsweiten Einstellungsstopp an – als vorbeugende Maßnahme, um angesichts möglicher Restriktionen und Mittelkürzungen durch die Regierung handlungsfähig zu bleiben.

14. März 2025

Das Büro für Bürgerrechte (OCR) leitet aufgrund angeblichen „Anti-White/Anti-Male-Bias“ Untersuchungen gemäß Title VI des Civil Rights Act von 1964 gegenüber 40 Hochschulen ein.

20. März 2025

Trump unterzeichnet Executive Order 14242. Ziel ist die schrittweise Auflösung des Bildungsministeriums. Die Zuständigkeit für das Bildungswesen soll wieder an die Bundesstaaten und lokalen Gebietskörperschaften gehen.

31. März 2025

Die Regierung leitet eine Überprüfung von Milliarden an Zuschüssen und Verträgen für Elite-Universitäten ein, unter anderem gegen Harvard und die Columbia University. Anlass sind Vorwürfe, wonach Antisemitismus auf dem Campus nicht ausreichend bekämpft werde und diversitätsbezogene Programme beibehalten würden.

1. April 2025

Trump äußert sich laut New York Times positiv über die Idee, Harvard alle Bundesmittel zu streichen. „Wouldn’t that be cool?”, sagt der Präsident laut einer mit dem Gespräch vertrauten Person in einer privaten Unterhaltung im Weißen Haus.

3. April 2025

Die Regierung sendet einen Brief an Harvard, in dem sie erklärt, dass die Bundesfinanzierung an Bedingungen geknüpft sei. Dazu gehöre die Abschaffung von Programmen zur Förderung von Vielfalt und Inklusion, die Überprüfung der Programme zur Bekämpfung von Vorurteilen, die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden und dem Heimatschutzministerium, die Einsetzung von Führungskräften zur Umsetzung der Forderungen des Präsidenten und vieles mehr.

11. April 2025

Das Weiße Haus sendet Harvard einen zweiten Brief. Dieser enthält eine Liste weitreichender Forderungen – unter anderem die Einstellung aller Programme und Initiativen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion, Beschränkungen für die Aufnahme internationaler Studierender, die „den amerikanischen Werten und Institutionen feindlich gegenüberstehen“, sowie eine Bundesaufsicht über Zulassungen, Einstellungen und die Ideologie von Studierenden und Mitarbeitern.

14. April 2025

Harvard kommt den Forderungen nicht nach. Universitätspräsident Alan Garber erklärt, dass diese Forderungen die Unabhängigkeit der Hochschule und verfassungsmäßige Rechte wie die Meinungsfreiheit verletzen. Damit ist Harvard die erste große US-Universität, die sich offen gegen die Forderungen der Regierung stellt.

Als Antwort friert die US-Regierung Zuschüsse und Verträge in Höhe von über zwei Milliarden Dollar ein.

15. April 2025

Trump droht auf Truth Social, Harvard die Steuerbefreiung und die Möglichkeit zur Aufnahme internationaler Studierender zu entziehen. Nach seinen Drohungen berichtet CNN, der Internal Revenue Service (IRS) bereite Schritte vor, Harvards Steuerbefreiung zu überprüfen und gegebenenfalls zu entziehen. Die Idee „was certainly worth looking into“ sagt Bildungsminister McMahon gegenüber CNN. Stand Februar 2026 ist jedoch keine öffentlich dokumentierte, endgültige IRS-Entscheidung bekannt.

16. April 2025

Die US-Heimatschutzministerin Kristi Noem fordert in einem Schreiben an die Harvard University Informationen über alle internationalen Studierenden mit einem F1-Visum und warnt, dass die Nichtbefolgung dieser Aufforderung zum Entzug der Zertifizierung des Student and Exchange Visitor Program der Universität führen werde. Das Heimatschutzministerium streicht außerdem Zuschüsse für Harvard in Höhe von insgesamt 2,7 Millionen Dollar.

17. April 2025

Das Bildungsministerium sendet eine Aktenanforderung an Harvard, in der es Informationen über alle Spenden aus dem Ausland verlangt. In der Aktenanforderung fordert das Bildungsministerium unter Punkt 5) auch explizit Akten zu „expelled foreign students“ sowie zu ausländischen Studierenden, deren Harvard-Hochschul- bzw. -IT-Zugänge widerrufen wurden. Damit wird eine vierjährige Untersuchung wieder aufgenommen, die am Ende der Biden-Regierung eingestellt worden war.

18. April 2026

Nach Harvards öffentlicher Zurückweisung von Forderungen aus dem Weißen Haus berichtet der Harvard Crimson von einem starken Spendenschub. In den knapp zwei Tagen nach Garbers E-Mail gingen laut interner Giving-Auswertung fast 4.000 Online-Spenden mit insgesamt rund 1,14 Mio. US-Dollar ein. Die meisten Beiträge lagen unter 250 US-Dollar und ein großer Teil floss in den Harvard College Fund sowie in einen „unrestricted fund“, also zu den nicht-zweckgebundenen-Mitteln des Universitätspräsidenten.

21. April 2025

Harvard reicht Klage ein gegen die Trump-Regierung aufgrund des Einfrierens der Bundesmittel mit der Begründung, dass Grundrechte verletzt worden und rechtliche Verfahren nicht eingehalten worden seien.

22. April 2025

Die American Association of Colleges and Universities (AAC&U) veröffentlicht am 22. April eine Erklärung, in der sie sich mit der „beispiellosen Übergriffigkeit der Regierung und politischen Einmischung” befasst. Dies gefährde die Hochschulbildung in den USA.

23. April 2025

Trump verkündet mit der Executive Order 14279 eine umfassende Reform des Akkreditierungssystems. Akkreditierer sollen stärker überwacht werden. Bei Verstößen gegen Bürgerrechte oder Anwendung von „Ideologie“ kann die Akkreditierung entzogen werden. Trump erlässt auch die Executive Order 14282, die festlegt, dass Hochschulen ausländische Finanzierung offenlegen müssen.

23. April 2025

Harvard beantragt bei einem Bundesrichter die beschleunigte Bearbeitung seiner Klage gegen die Einfrierung der Mittel und argumentiert, dass dieses wichtige Forschungs- und akademische Vorhaben gefährde und „Harvard in der Ausübung seiner Rechte aus dem Ersten Verfassungszusatz einschränke“, wie es in der Klagebegründung heißt.

25. April 2025

Die Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) leitet eine Civil Rights Investigation gegen Harvard ein. In einem Commissioner’s Charge von Kommissarin Andrea Lucas werden die Bemühungen der Harvard University zur Diversifizierung ihrer Fakultät und Stipendien für „unterrepräsentierte Minderheiten“ als Beispiele für potenzielle Verletzungen der Bürgerrechte weißer, asiatischer, männlicher und heterosexueller Bewerber angeführt.

30. April 2025

Harvard stellt dem Heimatschutzministerium die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen über internationale Studierende zur Verfügung.

5. Mai 2025

US-Bildungsministerin Linda McMahon erklärt, dass Harvard keine Zuschüsse mehr von der Bundesregierung erhalten wird.

12. Mai 2025

In seiner Antwort an McMahon schreibt Harvard-Präsident Garber, dass seine Universität und die Trump-Regierung zwar „gemeinsame Standpunkte“ zu Themen wie der Bekämpfung von Antisemitismus und anderer Intoleranz auf dem Campus und der Förderung einer „Vielfalt von Standpunkten“ an der Ivy-League-Universität vertreten. Die „Übergriffigkeit“ der Bundesregierung behindere jedoch die Verwirklichung dieser Ziele.

13. Mai 2025

Die „Task Force zur Bekämpfung von Antisemitismus“ der Regierung kündigt eine zusätzliche Einfrierung von rund 450 Millionen Dollar an Bundesmitteln an, die Harvard zugesagt worden waren. Insgesamt acht Bundesinstitutionen, darunter diverse Ministerien und die National Science Foundation (NSF), streichen ihre Fördermittel für die Universität. Harvard modifiziert seine Klage als Antwort auf die Maßnahmen der genannten Ministerien.

15. Mai 2025

Das Energieministerium teilt Harvard mit, dass es rund 89 Millionen Dollar an Fördermitteln aus seinem Amt für Wissenschaft und der Agentur für fortgeschrittene Forschungsprojekte im Energiebereich streicht, aufgrund der Policies der Universität zur „racial discrimination“.

22. Mai 2025

Die von Trump geplante Schließung des US-Bildungsministeriums wird von dem Bezirksgericht in Boston gerichtlich vorübergehend gestoppt.

Das Department of Homeland Security (DHS) kündigt die Abschaffung von Harvards Student and Exchange Visitor Program (SEVP) -Zertifizierung an. Das würde bedeuten, dass Harvard internationale Studierende nicht mehr zulassen dürfte.

23. Mai 2025

Harvard verklagt die Trump-Regierung wegen ihres Versuchs, die SEVP-Zertifizierung für das Studenten- und Austauschbesucherprogramm zu widerrufen. Die US-Bezirksrichterin für Massachusetts Allison Dale Burroughs erlässt eine einstweilige Verfügung, die den Schritt der Regierung blockiert.

26. Mai 2025

Trump droht in einem Online-Beitrag, 3 Milliarden Dollar an Bundeszuschüssen für Harvard an US-Berufsschulen umzuleiten, weil die Universität falsch mit Anti-Israel-Protesten umgegangen sei. Der Präsident wirft Harvard außerdem vor, beim Stopp des Entzugs der SEVP-Zertifizierung durch die einstweilige Verfügung von Richterin Burroughs „Richter-Shopping“ zu betreiben. Er fordert zusätzlich eine Liste mit den Namen der an der Harvard University eingeschriebenen internationalen Studierenden.

27. Mai 2025

Die Trump-Regierung fordert die Bundesbehörden auf, „alle Verträge mit Harvard zu identifizieren und zu prüfen, ob sie gekündigt oder anderweitig umgeleitet werden können“, so ein hochrangiger Regierungsbeamter.

28. Mai 2025

Trump fordert, dass internationale Studierende nicht mehr als 15 % der Immatrikulierten in Harvard ausmachen sollen.

29. Mai 2025

Vor der Anhörung vor einem Bundesgericht, in der es darum geht, dass die Trump-Regierung Harvard die Möglichkeit entzieht, internationale Studierende über das SEVP aufzunehmen, macht die Regierung einen Rückzieher und gibt Harvard 30 Tage Zeit, um gegen den Entzug Einspruch zu erheben.

4. Juni 2025

Trump unterzeichnet eine präsidiale Proklamation, die ausländischen Studierenden die Einreise in die USA zum Studium an der Harvard University untersagt. Er beruft sich auf das Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetz, um Nichtstaatsangehörigen die Einreise in die USA zum Studium an der Harvard University für mindestens sechs Monate zu verbieten. Die Begründung ist hierbei, dass die Universität „kein vertrauenswürdiger Verwalter“ internationaler Studierender mehr sei. Die Erklärung weist Außenminister Marco Rubio außerdem an, die Aufhebung der Visa ausländischer Studierender, die sich bereits in den USA befinden, um an der Harvard University zu studieren, zu prüfen.

5. Juni 2025

Harvard ändert seine bestehende Klage gegen die Trump-Regierung und fordert das Gericht auf, die Durchsetzung von Trumps präsidialer Proklamation zu stoppen. In der geänderten Klage argumentiert Harvard erneut, dass die Proklamation gegen den Ersten Verfassungszusatz verstößt, und fordert das Gericht zu einer Notfallintervention auf.

20. Juni 2025

US-Bezirksrichterin Allison Burroughs erlässt eine einstweilige Verfügung gegen die Trump-Regierung und hebt damit auf unbestimmte Zeit deren Bemühungen auf, Harvard daran zu hindern, internationale Studierende aufzunehmen. Die Regierung wird angewiesen, „jeden Visuminhaber und Antragsteller wieder in die Position zu versetzen, in der sich diese Person ohne die SEVP-Widerrufsmitteilung befunden hätte“, während das Verfahren weiterläuft.

30. Juni 2025

Die Task Force der Trump-Regierung zur Bekämpfung von Antisemitismus stellt fest, Harvard verstoße „in schwerwiegender Weise“ gegen Title VI des Civil Rights Act und droht mit weiteren Kürzungen der Bundesmittel. Die Task Force erklärt, Harvard habe „in einigen Fällen bewusst Gleichgültigkeit gezeigt und sich in anderen Fällen vorsätzlich an antisemitischen Schikanen gegen jüdische Studierende, Lehrkräfte und Mitarbeiter beteiligt“.

4. Juli 2025

Präsident Trump unterzeichnet Public Law 119-21, welches die unter Präsident Biden ausgebauten absolventenfreundlichen einkommensabhängigen Rückzahlungsmodelle (IDR) strukturell umbaut. Künftig sollen bestehende IDR-Optionen schrittweise zurückgedrängt und ab 1. Juli 2026 durch einen neuen Plan ersetzt werden. Damit werden insbesondere die unter Biden eingeführten bzw. erweiterten IDR-Regelungen perspektivisch beendet.

24. Juli 2025

Das Weiße Haus gibt bekannt, dass die Columbia Universität einer Geldstrafe in Höhe von 200 Millionen Dollar zustimmt, um die Bundesfinanzierung wiederherzustellen. Sie schließt einen umfassenden Pakt mit der US-Regierung ab, in dem sie sich verpflichtet, gegenüber dem US-Heimatschutzministerium bzw. dem SEVP die erforderlichen Angaben zu internationalen Studierenden zu melden bzw. bei aufenthaltsrechtlichen Prüfungen zu kooperieren.

31. Juli 2025

Die Trump-Regierung trifft mit der Brown University eine Vereinbarung über eine Zahlung in Höhe von mehreren Millionen Dollar, um die Bundesfinanzierung wiederherzustellen. Neben anderen Zugeständnissen erklärt sich die Brown bereit, die Definition der Regierung für „männlich“ und „weiblich“ zu übernehmen und jegliche Berücksichtigung der ethnischen Zugehörigkeit aus dem Zulassungsverfahren zu streichen. Die Einigung enthält – ähnlich wie bei dem Deal der Regierung mit der Columbia – eine Bestimmung, wonach die Regierung nicht befugt ist, Browns Lehrplan oder „den Inhalt akademischer Reden“ vorzuschreiben.

6. August 2025

Die Trump-Regierung setzt laut einer Erklärung der University of California, Los Angeles (UCLA) Bundeszuschüsse in Höhe von 584 Millionen Dollar aus. Zuvor hatte das Justizministerium erklärt, die Hochschule habe Bürgerrechte verletzt, „indem sie mit vorsätzlicher Gleichgültigkeit ein feindseliges Bildungsumfeld für jüdische und israelische Studenten geschaffen habe“. Die UCLA ist die erste öffentliche Universität, deren Bundeszuschüsse von der Regierung wegen angeblicher Bürgerrechtsverletzungen gekürzt wurden.

7. August 2025

Präsident Trump erlässt die Executive Order 14332 „Improving Oversight of Federal Grantmaking“. Sie verschärft die politische Kontrolle über Bundeszuschüsse. Behörden müssen neue Förderprogramme und Ermessenszuschüsse künftig durch Senior-Appointees prüfen lassen und die Vergabe stärker an Präsidialprioritäten ausrichten. Zudem kündigt die Order Änderungen an, um Grants leichter zu beenden und Overhead-Erstattungen stärker zu begrenzen.

21. August 2025

Der Oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) gewährt der Bundesregierung in einem Eilverfahren teilweise eine Aussetzung einer vorinstanzlichen Anordnung im NIH-Grant-Streit. Damit muss die Regierung vorläufig bestimmte, zuvor angeordnete Auszahlungen bzw. Wiederherstellungen von NIH-Fördermitteln nicht leisten, solange das Verfahren weiterläuft.

Für Deutschland sind die NIH-Verflechtungen vor allem durch Kooperationen und Subawards relevant. Laut einer in einer Landtagsdrucksache des Landes Baden-Württemberg dokumentierten Umfrage gibt es gemäß der Recherche von NDR, WDR und SZ an über der Hälfte der Universitätskliniken Forschung, die teilweise NIH-finanziert ist. Bundesweit sind dies mindestens 75 Projekte.

3. September 2025

Bezirksrichterin Burroughs entscheidet im Fall Harvard, dass das Einfrieren der Forschungsgelder durch die Regierung verfassungswidrig sei, besonders wegen Verstoßes gegen das First Amendment, Title VI des Civil Rights Act von 1964, und wegen mangelnder rechtlicher Verfahren. Die Richterin erklärt zudem, die Regierung habe die Bundesmittel für Harvard mit verfassungswidrigen Auflagen verbunden und es versäumt, die Bundesverfahren einzuhalten, die erlauben, Universitäten wegen Verstößen gegen die Bürgerrechte zu sanktionieren. Harvard wird Recht gegeben, die eingefrorenen Mittel müssen wieder ausgezahlt werden.

Nach der Entscheidung von Burroughs kündigt die Bundesregierung an, die Entscheidung anzufechten. Die formale Berufungseinlegung erfolgt später, am 18. Dezember 2025.

19. September 2025

Harvard wird seitens der Regierung aufgefordert, weitere finanzielle Angaben sowie detaillierte Daten zur Zulassung nach ethnischem Hintergrund vorzulegen.

25. September 2025

Donald Trump erlässt unter dem Titel „Countering Domestic Terrorism and Organized Political Violence“ ein präsidiales Memorandum. Darin wird die FBI Joint Terrorism Task Force (JTTFs) angewiesen, eine behördenübergreifende Strategie zu koordinieren, um politisch motivierte Gewalt und Einschüchterung zu untersuchen und zu unterbinden. Das Memorandum nennt als Teil solcher Radikalisierungs- und Einschüchterungskampagnen verschiedene Foren, so auch Bildungseinrichtungen. Zudem sieht es Ermittlungen zu Finanzierungs- und Unterstützungsstrukturen vor und beauftragt das Finanzministerium, Finanznetzwerke zu identifizieren und zu stören.

Am gleichen Tag erhöht die Trump Regierung die Kosten des für Fachkräfte mit Hochschulabschluss in speziellen Berufen-relevanten Visums H-1B auf 100.000 Dollar. Gegen die Maßnahme wird in mehreren Verfahren geklagt. Zwar hat ein Bundesgericht in Washington, D.C. die Regelung Ende Dezember 2025 zunächst bestätigt, jedoch ist die Entscheidung in der Berufung. Stand Februar 2026 ist die Rechtslage weiter umstritten, während die Regelung zunächst in Kraft bleibt. Sie bremst den internationalen Austausch und betrifft neue Angestellte. 

28. September 2025

Trump praktiziert eine neue Strategie in der Bekämpfung der DEI-Programme: Universitäten, die sich Trumps Weltbild beugen, sollten Wettbewerbsvorteile bei der Vergabe von Forschungsgeldern erhalten.

01. Oktober 2025

Die US-Regierung bietet neun namhaften Universitäten des Landes einen „Compact for Academic Excellence in Higher Education“ an, mit dem diese offenbar mit Hilfe finanzieller Anreize, unter anderem einem begünstigten Zugang zu Bundeszuschüssen, auf Linie gebracht werden sollen. Das zehnseitige Dokument verpflichtet die Universitäten u.a. dazu, den Anteil internationaler Studierender auf maximal 15 Prozent zu begrenzen, bei Bewerbungen keine Kriterien wie Ethnie oder Geschlecht zu berücksichtigen und der strikten Geschlechterdefinition der Regierung zu folgen.

2. Oktober 2025

Der Vorschlag der US-Regierung löst eine Welle des Widerstands in der akademischen Welt und bei den Demokraten aus. Als Antwort auf das Dokument der Regierung droht der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom, jeder Universität die bundesstaatlichen Mittel zu kürzen, die sich dem Abkommen anschließen würde.

6. Oktober 2025

Das Nachrichtenportal University World News berichtet, dass das internationale Interesse an Masterstudiengängen in den USA seit dem 6. Januar 2025 um 61% zurückgegangen sei.

17. Oktober 2025

In einer gemeinsamen Erklärung fordern mehr als 30 Hochschulorganisationen die Regierung auf, den Vorschlag des „Compacts“ zurückzuziehen. Das Weiße Haus lädt Vertreter der Universitäten, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgesagt hatten, zu einer Telefonkonferenz ein. Adressiert sind die University of Arizona, die University of Texas, die Vanderbilt University sowie das Dartmouth College.

18. Oktober 2025

Die Hochschulpräsidentin von Dartmouth, Sian Leah Beilock, erklärt in einer E-Mail an den Campus, dass sie den von der US-Regierung vorgeschlagenen „Compact“ nicht unterzeichnen wird. Zuvor hatten bereit die Massachusetts Institute of Technology, die Brown University, die University of Pennsylvania, die University of Southern California und die University of Virginia derartige Abkommen abgelehnt.

20. Oktober 2025

Auch die University of Arizona lehnt den von Trump-Regierung vorgeschlagenen Deal ab. Die Vanderbilt University hält sich mit einer Erklärung ihres Kanzlers alle Optionen offen. Die University of Texas äußert sich als einzige bisher nicht zu dem Vorschlag der US-Regierung.

22. Oktober 2025

Das US-Justizministerium gibt bekannt, dass es eine Vereinbarung mit der University of Virginia getroffen hat, mehrere Ermittlungen wegen Verstößen gegen die Bürgerrechte im Zusammenhang mit den Zulassungsrichtlinien der Einrichtung und mutmaßlicher Diskriminierung auszusetzen. Der Deal ist der erste, der mit einer großen öffentlichen Universität geschlossen wurde, nachdem die Trump-Regierung bereits Vereinbarungen mit drei privaten Ivy-League-Hochschulen getroffen hatte.

7. November 2025

Die Cornell University erklärt sich bereit, über 60 Millionen Dollar an Strafzahlungen zu begleichen, die ihr von der US-Regierung auferlegt wurden. Davon soll die Hälfte direkt an die US-Regierung gehen und der Rest in Forschungsprojekte zur Unterstützung von US-amerikanischen Landwirten investiert werden. Die Regierung gibt im Gegenzug die bis dahin eingefrorenen 250 Millionen Dollar Forschungsgelder wieder frei. Die Vereinbarung verpflichtet die Cornell außerdem, der US-Regierung anonymisierte Zulassungsdaten bereitzustellen, um im Gegenzug die Untersuchungen der Trump-Administration gegen die Ivy-League-Universität zu beenden. Die Uni soll zusätzlich jährlich Umfragen durchführen, um das Klima für die Studierenden zu bewerten. Erwähnt wird hier explizit das Klima für jüdische Studierende. Die Amerikanische Vereinigung der Universitätsprofessoren (AAUP) kritisiert daraufhin die Vereinbarung als eine Bedrohung für die akademische Freiheit.

18. November 2025

Das US-Bildungsministerium verkündet Interagency Agreements, die u. a. Funktionen und Programme in andere Ressorts verlagern sollen. Das betrifft auch hochschulrelevante Zuständigkeiten, z. B. Teile der Postsecondary-Programme. Die Maßnahme des Ministeriums ist ein weiterer Schritt zur Selbstauflösung des Ministeriums, die Anfang des Jahres durch Trump beschlossen dann aber gerichtlich gestoppt wurde.

18. Dezember 2025

Die Trump-Regierung legt offiziell Einspruch gegen die richterliche Anordnung von Burroughs ein, mit der die Kürzung der Bundesmittel für Harvard rückgängig gemacht wurde.

29. Dezember 2025

Vor zwei Gerichten kommt es zu Vereinbarungen mit den NIH, welche letztere dazu verpflichten, innerhalb einer vorgegebenen Frist erneut über zuvor bereits abgelehnte Förderanträge zu entscheiden. Mindestens 135 von 146 Anträgen werden nach erneuter Prüfung bewilligt.

5. Januar 2026

Das 1. Bundesberufungsgericht in Boston bestätigt die einstweilige Verfügung, die von Generalstaatsanwälten aus 22 demokratisch geführten Bundesstaaten, Ärzteverbänden und Universitätsvereinigungen im März 2025 erwirkt worden war. Das Urteil des Berufungsgerichts ist ein Erfolg der Hochschulverbände in den USA und wendet einen Milliardenverlust für Forschungsuniversitäten ab. Für die Trump-Regierung ist der Rechtsspruch eine empfindliche Niederlage.

6. Januar 2026

Der aktualisierte Budgetstand zeigt, dass die ursprünglich von der Trump-Regierung vorgesehene drastische Kürzung der National Science Foundation um rund 57 % in den finalen Haushaltsbeschlüssen deutlich abgeschwächt wurde. Statt des beantragten Rückgangs auf etwa 3,9 Mrd. US-Dollar liegt die endgültige NSF-Finanzierung bei 8,75 Mrd. US-Dollar und damit nur noch 3,4 % unter dem Vorjahr.

26. Januar 2026

Die Science berichtet, dass im Jahr 2025 10.109 promovierte Fachleute aus den Naturwissenschaften und verwandten Bereichen ihren Arbeitsplatz verloren haben, nachdem Präsident Trump die Gesamtzahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst drastisch reduziert hatte.

29. Januar 2026

Ein US-Einwanderungsgericht in Boston stoppt die Abschiebung der türkischen Doktorandin Rumeysa Öztürk, die wegen propalästinensischer Äußerungen ins Visier der Regierung von Präsident Donald Trump geraten war. Die Studentin der Tufts University war im März 2025 von Agenten der ICE-Einwanderungsbehörde verhaftet worden. Als einzige Begründung wurde ein von ihrem mitverfassten Leitartikel in der Studentenzeitung der Universität genannt, der die Reaktion der Hochschule auf den Krieg in Gaza kritisierte. Der Fall ist eines der bekanntesten Beispiele für die Bemühungen der Trump-Regierung, ausländische Studierende mit propalästinensischen Ansichten abzuschieben.

2. Februar 2026

In einem Truth-Social-Beitrag greift Präsident Trump Harvard erneut scharf an und übernimmt dabei den Vorwurf, die Universität handele antisemitisch. Er behauptet zudem, Harvard versuche sich durch einen gerichtlichen Vergleich bzw. Schadensersatz durch ein „Job-Training“-Konzept zu entziehen, und fordert deutlich höhere Zahlungen. Er stellt sogar in den Raum, der Fall müsse strafrechtlich statt zivilrechtlich behandelt werden. Auch kündigt er an, die Regierung werde den Fall weiterverfolgen. Trump spricht von einem Ziel in Höhe von 1 Mrd. US-Dollar und kritisiert Harvard-Präsident Alan Garber persönlich.

5. Februar 2026

Eine Analyse der Washington Post kommt zu dem Ergebnis, dass mindestens 108 von 184 untersuchten US-Universitäten ihre Diversity-Programme zurückgefahren oder gestrichen haben. Als Treiber nennt das Blatt Druck aus Washington, darunter bundesweite Untersuchungen und die Androhung bzw. der Einsatz von Fördermittelentzug als Hebel gegenüber Hochschulen.

6. Februar 2026

US-Kriegsminister Pete Hegseth erklärt, das Pentagon werde die Zusammenarbeit mit Harvard beenden und ab dem akademischen Jahr 2026/27 sämtliche graduate-level Professional Military Education-Programme, Fellowships und Zertifikatsprogramme an der Universität einstellen. Hegseth begründet den Schritt damit, dass Harvard „nicht mehr die Bedürfnisse des Kriegsministeriums oder der Streitkräfte“ erfülle und formuliert in einem X-Post: „Harvard is woke; The War Department is not“.

13. Februar 2026

Das US-Justizministerium verklagt Harvard vor einem Bundesgericht in Massachusetts, um die Herausgabe von zulassungsbezogenen Unterlagen und antragsbezogenen Daten zu erzwingen. Nach Darstellung des DOJ verweigere Harvard die vollständige Übermittlung von Dokumenten, die für Untersuchungen zu „race-related admissions“ relevant seien.

21. Februar 2026

Politico berichtet, dass Präsident Trump die von Floridas republikanischem Gouverneur Ron DeSantis vorangetriebene Reform der US-Hochschulaufsicht unterstützt: DeSantis’ Projekt zum Aufbau eines neuen, konservativ ausgerichteten Akkreditierers, die Commission for Public Higher Education (CPHE), erhält 1 Mio. US-Dollar aus dem Bildungsministerium. Mehrere staatliche University Systems – Florida, Texas, Georgia, North Carolina, South Carolina und Tennessee – beteiligen sich an der Gründung. In mindestens fünf Bundesstaaten werden Gesetze vorangetrieben, die Hochschulen zum Wechsel, zu dem noch nicht anerkannten Akkreditierer ermutigen oder ihn teils verlangen.

27. Februar 2026

Verteidigungsminister Hegseth kündigt in einem Video an, dass das Pentagon Angehörigen des US-Militärs ab dem nächsten akademischen Jahr den Besuch von Columbia, Yale, Brown und weiteren Eliteuniversitäten untersagen will. Er begründet das ohne konkrete Belege mit dem Vorwurf, die Hochschulen seien „factories of anti-American resentment“ und „breeding grounds of toxic indoctrination“. Laut AP soll das Verbot auch Princeton und das MIT betreffen. Es bleibt unklar, wie weitreichend die Maßnahme in der Praxis umgesetzt wird, da die betroffenen Hochschulen im Pentagon-System für „Tuition Assistance“ vorerst weiterhin als „eligible“ geführt werden).

AAC&U = American Association of Colleges and Universities/ Amerikanischer Verband der Colleges/Hochschulen und Universitäten.

AAUP = American Association of University Professors/ Amerikanische Vereinigung der Universitätsprofessoren 

DEI = Diversity, Equity, Inclusion/ DEI-Programme (Diversität, Gleichberechtigung und Integration) bezeichnen institutionalisierte Richtlinien und Praktiken etwa in Hochschulen, Behörden oder Unternehmen, die darauf zielen, personelle und perspektivische Vielfalt zu erhöhen, strukturelle Ungleichheiten und Diskriminierung in Zugang, Teilhabe und outcomes zu reduzieren und Zugehörigkeit sowie faire Beteiligung in organisationalen Prozessen und Kulturen zu fördern.

DHS = Department of Homeland Security/ US-Ministerium für Innere Sicherheit/US-Heimatschutzministerium.

DOJ = Department of Justice/ US-Justizministerium

EEOC = Equal Employment Opportunity Commission/ US-Kommission für Gleichstellung am Arbeitsplatz; eine Bundesbehörde mit dem Auftrag, Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf zu beenden.

EO = Executive Order/ Präsidentenerlass/ präsidiale Anordnung, also offizielle Anweisungen des US-Präsidenten, präsidiale Dekrete, die ohne die Zustimmung des Kongresses die Tätigkeit der Bundesregierung steuern und für Exekutivbehörden bindend sind.

First Amendment = Ersten Verfassungszusatz der US-Verfassung, der u. a. die Meinungs-, Presse-, Religions-, Versammlungs- und Petitionsfreiheit gegenüber staatlichen Eingriffen schützt.

FTFCA = Federal Task Force to Combat Antisemitism/Bundesarbeitsgruppe zur Bekämpfung des Antisemitismus‘.

F-1-Visum = US-Nichteinwanderungsvisum für internationale Studierende, die an einer SEVP-zertifizierten Hochschule ein Vollzeitstudium absolvieren.

H-1B- Visum = US-Arbeitsvisum für hochqualifizierte Fachkräfte in „specialty occupations“, in der Regel mit Hochschulabschluss und ein zentrales Instrument der US-Arbeitsmarkt- und Innovationspolitik.

ICE = Immigration and Customs Enforcement/ Bundesbehörde des US-Heimatschutzministeriums, zuständig u. a. für die Durchsetzung des Einwanderungsrechts im Inland und für Kontrollen/Ermittlungen zu grenzbezogenen Straftaten. Im Hochschulkontext relevant vor allem über das Student and Exchange Visitor Program und Maßnahmen, die den Aufenthaltsstatus internationaler Studierender betreffen.

IDR = Income-Driven Repayment/ Einkommensabhängige Rückzahlungspläne für US-Bundes-Studienkredite, bei denen die Rate an Einkommen gekoppelt ist und später ein Restschuldenerlass möglich sein kann; die Pläne existieren seit früheren Regierungen, wurden unter Biden ausgeweitet (z. B. SAVE) und sind seither politisch umstritten.

IRS = Internal Revenue Service/ US-Bundessteuerbehörde.

Ivy-League = Gruppe von acht traditionsreichen, privaten US-Eliteuniversitäten im Nordosten (Brown, Columbia, Cornell, Dartmouth, Harvard, Princeton, University of Pennsylvania, Yale). Ursprünglich Bezeichnung einer Sportliga, heute ein gängiger Sammelbegriff für besonders selektive, prestigeträchtige Hochschulen mit hoher Forschungs- und Finanzkraft.

JTTF = FBI Joint Terrorism Task Force/ Gemeinsame Anti-Terror-Ermittlungsteams unter Führung des FBI, in denen Bundes-, Landes- und lokale Behörden zusammenarbeiten.

NIH = National Institutes of Health/ Nationale Gesundheitsinstitute.

NSF = National Science Foundation/ US-Bundesbehörde zur Förderung der Grundlagenforschung und wissenschaftlicher Ausbildung.

OCR = Office for Civil Rights/ Amt für Bürgerrechte, Unterbehörde des US-Bildungsministeriums.

OMB = Office of Management and Budget/ Amt für Verwaltung und Haushaltswesen des Weißen Hauses, US-Bundesbehörde mit Kabinettsrang.

Postsecondary-Programme = Bildungs- und Qualifizierungsangebote nach dem High-School-Abschluss, z. B. College-Studiengänge, Community-College-Programme, berufliche Zertifikate und Weiterbildungen.

SEVP = Student and Exchange Visitor Program/ Programm für Studierende und Austauschbesucher.

Title VI = Artikel VI des Civil Rights Act von 1964. Ein US-Bundesgesetz, das Empfängern von Bundesfördermitteln verbietet, Personen wegen „race, color oder national origin“ zu diskriminieren. Verstöße können zu Ermittlungen, Auflagen oder im Extremfall zum Entzug von Bundesmitteln führen.

Title IX = Artikel IX der Bildungsergänzungsgesetze von 1972. Dabei handelt es sich um ein Bundesgesetz zum Schutz der Bürgerrechte, das Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Bildungsprogrammen und -aktivitäten verbietet.

UCLA = University of California, Los Angeles/ Universität von Kalifornien, Los Angeles.