In verschiedenen Ländern in Europa und weltweit steht derzeit das Wissenschaftssystem unter zunehmendem Druck. So zeigt beispielsweise der Academic Freedom Index für 2025 in 34 Ländern weltweit einen Rückgang der Wissenschaftsfreiheit. Er stellt dies in Zusammenhang mit den Wahlerfolgen antipluralistischer Parteien. Es ist nicht auszuschließen, dass auch in Deutschland die politische Landschaft rauer wird, extreme Kräfte prägenden Einfluss gewinnen und die Bedingungen für die Wissenschaft, wie wir sie heute kennen und schätzen, völlig verändern könnten. Es drohen Einschränkungen in der Autonomie der deutschen Hochschullandschaft und der Freiheit der Forschenden und Lehrenden – mit gravierenden Folgen.  

Erreichte Hochschulautonomie  

Seit seiner Gründung 1994 setzt sich das CHE dafür ein, dass Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in großer Eigenverantwortung agieren können. Der Titel der bedeutendsten Publikation der ersten Jahre, „Die entfesselte Hochschule“, fasst komprimiert das damalige Ziel zusammen: Hochschulen sollten aus der damals noch prägenden „Fesselung“ detaillierter und bürokratischer staatlicher Steuerung in weitgehende Eigenverantwortung entlassen sowie entscheidungs-, handlungs- und strategiefähig werden.  

Die seit Ende der 1990er Jahre in den deutschen Ländern umgesetzte Hochschulautonomie löste viele diese Forderungen ein. Sie ermöglicht Hochschulen Handlungsfähigkeit und verlässliche Rahmenbedingungen für eigenverantwortliche Entscheidungen und hochschulspezifische Schwerpunktsetzungen. Bei allem Verbesserungsbedarf im Detail: Hochschulen sind so zunehmend in der Lage, in Forschung, Lehre und Transfer Spitzenleistungen zu erbringen und in authentischer Weise ihre eigenen Stärken mit gesellschaftlichen Bedarfen zusammenzubringen.  

Der gewährte Handlungsspielraum ermöglicht es Hochschulen auch, in jeweils passender Weise Verantwortung für die Gesellschaft wahrzunehmen. Das bedeutet zum Beispiel, adäquat auf gesellschaftliche Nachfrage zu reagieren, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, innovative berufsbegleitende Studiengänge anzubieten oder Angebote in der Schnittstelle von beruflicher und akademischer Qualifizierung zu etablieren.  

Gefährdete Freiheit 

Hochschulautonomie und die grundgesetzlich garantierte Wissenschaftsfreiheit sind eine unentbehrliche Basis für eigenverantwortliches Handeln der Universitäten und HAW. Sie wurden in den letzten Jahren weitgehend als eine Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch, wie gefährdet diese Errungenschaften sein können.  

Hochschulen befinden sich in politisch herausfordernden Zeiten. Sie sehen sich demokratie- und wissenschaftsfeindlichen Bedrohungen gegenüber. Das Erstarken extrem rechter Kräfte bedroht die Stärken des deutschen Hochschulsystems. Rechtsextreme und in Teilen wissenschaftsfeindliche Strömungen könnten künftig in einzelnen deutschen Bundesländern gestaltende Mehrheiten erringen. Was droht in diesem Fall den dortigen Hochschulen und was bedeutet dies für die länderübergreifende Zusammenarbeit sowie internationalen Kooperationen? Wie können sich Hochschulen auf möglichen Gegenwind vorbereiten und sich resilient aufstellen?  

Hochschulen werden selbst auch zum Austragungsort gesellschaftlicher Konflikte. Wie könne sie etwa auf dem Campus eine offene Diskurskultur sichern und gleichzeitig antisemitischen Äußerungen sowie anderen Formen der Diskriminierung wirksam entgegentreten? 

Diesen Fragen geht die Brennpunktseite „Resiliente Hochschulen“ nach. Sie wird fortlaufend ergänzt. Aktuell enthält sie folgende Inhalte:  

Eine chronologische Übersicht zu den Entwicklungen in den USA seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump Anfang 2025 sowie ein kurzes Zwischenfazit. Trumps Agenda wird von einigen extrem rechten Akteuren in Deutschland als Orientierung für den Fall einer eigenen Regierungsübernahme angeführt. Daher kann die Frage, welche Angriffspunkte die US-amerikanische Regierung nutzt, wie erfolgreich sie damit ist und wie die angegriffenen Hochschulen ihre Handlungsfreiheit verteidigen, für deutsche Hochschulen, Ministerien und Wissenschaftseinrichtungen aufschlussreich sein.

Eine Übersicht relevanter Publikationen, Forschungsergebnisse und Handreichungen zu aktuellen Bedrohungsszenarien und mögliche Reaktionen seitens der Hochschulen. Verschiedene Akteure und Institutionen beschäftigen sich bereits ausführlich mit der Frage, welche Folgen eine Regierungsbeteiligung extrem rechter Kräfte, für deutsche Hochschulen hätte und wie diese am besten damit umgehen können. Hier sammeln wir fortlaufend entsprechende Publikationen: