• Britta Hoffmann-Kobert
  • 23. September 2021
  • Sonstiges

Prof. Dr. Gabriele Gien, Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) [Foto: KU]
Kurzportrait Prof. Dr. Gabriele Gien, Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Prof. Dr. Gabriele Gien ist seit 2016 Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Zuvor sie war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der KU und von 2014 an Interimspräsidentin bis zur Ernennung als Präsidentin im Oktober 2016. In diesem Jahr wurde sie erneut einstimmig wiedergewählt.

Die KU Eichstätt-Ingolstadt ist eine staatlich anerkannte kirchliche Universität mit über 4.800 Studierenden, von denen knapp 20 Prozent Fachhochschul-Studierende sind. Die Universität versteht sich als „akademische Gemeinschaft, die auf dem Fundament des christlichen Menschenbildes und christlicher Werte Fachwissen und soziale Kompetenzen vermittelt“. Die Zulassung zum Studium in über 50 Fächern an acht Fakultäten – von Theologie, Mathematik, Geographie, Geistes-, Sprach- und Gesellschaftswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften sowie Soziale Arbeit – ist dabei unabhängig von der Konfessionszugehörigkeit. Trägerin ist eine Stiftung, die unter der Aufsicht der Freisinger Bischofskonferenz steht.

„Präsidentin der einzigen katholischen Universität Deutschlands zu sein, ist aufgrund der vielen Stakeholder und der großen Komplexität eine besondere Herausforderung“, sagt Gabriele Gien. Bis zu ihrer Amtseinführung durchlebte die KU auch Krisenphasen mit mehrfach wechselnden Präsidenten. Gien gelang es aus Sicht der Jury durch partizipative Führung im Team, mit Transparenz, Kommunikation und wertschätzendem Umgang eine gemeinsame Vision und kohärente Strategie für die KU zu entwickeln und in einem engagierten Transformationsprozess zu verankern. Dies vor dem Hintergrund einer Neuaufstellung der Theologie: interdisziplinär, vernetzt und zukunftsorientiert. Hier mussten die kirchlichen Träger mit einbezogen werden. „Gabriele Gien ist es gelungen, für diesen herausfordernden Prozess auf die Expertise des Wissenschaftsrates und seiner Geschäftsstelle zurückzugreifen“, lobt die Jury.

„Heute haben wir eine reputationsstarke, vernetzte Theologie, die gerade ein interdisziplinäres Transferzentrum gegründet hat“, freut sich Gien.

Die Hochschule wirbt mit ihrer familiären Atmosphäre, den kleinen Studierendengruppen und den persönlichen Kontakten. Der Mensch und die Gesellschaft als Ganzes sollen dabei in den Blick genommen werden. Menschliche Nähe, Vertrauen und Loyalität sowie fachliche Diversität, so beschreibt auch Gien das besondere Profil der KU, das ebenso im Leitungsteam gelebt werde. Persönliches Beziehungsmanagement und eine werteorientierte Führung, die den Menschen mit seinen Stärken in den Mittelpunkt stellt, bilden sich in den Führungsleitlinien ab und prägen das Selbstverständnis. „Gabriele Gien hat der Universität ein Profil gegeben, das den Menschen in den Vordergrund stellt und lebt diesen Führungsstil auch, bis hin zu ihrem Motto ‚First who then what‘“, hebt ebenfalls die Jury hervor und ergänzt: „Ihr ist es wichtig, bei Entscheidungen immer auch zu vermitteln, warum so entschieden wurde. Führungsstil und Hochschule passen hervorragend zusammen.“

Von den Menschen, die mit ihr arbeiten, wird sie als „wertschätzend, integrativ, positiv und authentisch“ beschrieben. In ihrer ersten Amtszeit erfolgte der Ausbau der Third Mission und deren Integration als Kernprozess der Universität – unter anderem durch die erfolgreiche Einwerbung von Mitteln für das Projekt „Mensch in Bewegung“ im Kontext der Ausschreibung „Innovative Hochschule“. Aktuell gelang es, sieben TenureTrack-Professuren für eine am Menschen orientierte, digitale Gesellschaft einzuwerben.

Mit Blick auf die Corona-Krise beschreibt Gien, dass die KU stark gefordert gewesen sei, weil man aus eigener Kraft digitale Basisstrukturen und Personalkompetenz aufbauen musste, um die „Turbo-Digitalisierung“ zu schaffen. „Als Hochschulleitung war uns dabei von Anfang an wichtig, die gerade erworbene Transformation und die Fokussierung auf den Menschen in der Krise nicht zu verlieren und eine proaktiv gestaltete Digitalkultur zu entwickeln.“

Dafür etablierte die Universitätsleitung neben einer transparenten Informationspolitik vor allem Videobotschaften und persönliche Rundschreiben. Gien bot persönlich eine familienfreundliche Abendsprechstunde an, darüber hinaus gab es gemeinsinnstiftende Aktionen, wie gemeinsame Musik- und Sportangebote sowie Mitmach-Aktionen. „Solidarität wurde jedoch nicht nur nach Innen gelebt, sondern auch für die Gesellschaft entwickelt. So haben wir zum Beispiel Eltern und Lehrer beim Homeschooling unterstützt und einen Ratgeber für Familien zum Umgang mit der Corona-Krise veröffentlicht“, ergänzt Gien.

Aus ihrem Umfeld heißt es: „Die Strategie der Präsidentin zur Bewältigung der Krise beruhte von Anfang an auf Integration aller Statusgruppen, Flexibilität und Agilität in ihrer Zusammenarbeit und der Entwicklung resilienter Strukturen für die Zukunft.“

„Ich möchte auch in Zukunft vor allem eine am Menschen orientierte Kultur des digitalen Lehrens, Lernens und Arbeitens fortführen“, sagt Gabriele Gien.

 

Erläuterung des Verfahrens

Die Nominierten für die Auszeichnung „Hochschulmanager*in des Jahres 2021“ wurden in mehreren Stufen ermittelt. Über eine datengestützte Vorauswahl wurden Hochschulen identifiziert, die eine besonders starke positive Entwicklungsdynamik aufweisen. Im Rahmen der zweiten Auswahlstufe wurden alle in der Vorauswahl identifizierten Hochschulleitungen zu ihrem Führungsverständnis befragt. Als weitere Perspektive wurden die Kollegen und Kolleginnen in der Leitung sowie die jeweiligen Hochschulratsvorsitzenden zur Führungsleistung ihrer Hochschulleitungen und zum Zusammenspiel im Team befragt. Ein besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr auf dem Krisenmanagement während der Corona-Pandemie und die gemeinsame Krisenbewältigung im Führungsteam.

Alle Ergebnisse waren Grundlage für die Entscheidung der Jury zur Nominierung der fünf Finalist*innen.
Die Auszeichnung „Hochschulmanager*in des Jahres” wird bereits seit 2008 verliehen, seit 2013 gemeinsam von der Wochenzeitung DIE ZEIT und dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Britta Hoffmann-Kobert

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