Summary

Professionalisierung ohne Profession? Ergebnisbericht Fakultätsmanagement-Befragung 2013

In der Gesamtschau unserer Befragungsergebnisse finden wir Hinweise auf Tendenzen zu einer Professionalisierung von Aufgaben, Tätigkeiten und Rollen des Fakultätsmanagements in drei Hinsichten: Die Professionalisierung zeigt eine neue Dynamik: Aufgaben, Zuständigkeiten und Rollen des Fakultätsmanagements sind an deutschen Hochschulen weitgehend „normal“! Diese gefundenen Veränderungen gegenüber der letzten Fakultätsmanagement-Befragung im Jahre 2009 können durchaus als ein Fortschreiten von Professionalisierung im Fakultätsmanagement gedeutet werden. Allerdings deuten die bisher versammelten und diskutierten empirischen Befunde eher auf eine Stabilisierung des ersten Professionalisierungsschubs hin. Stabilisiert wird diese Professionalisierung dadurch, dass die Einrichtung und Unterhaltung von Managementpositionen auf dezentralen Organisationsebenen gleichsam normalisiert wird. Darüber hinausgehend haben wir Hinweise gefunden, die auf einen einsetzenden zweiten Professionalisierungsschub schließen lassen, der in einer externen Professionalisierung besteht.
Professionalisierung ohne Profession? Keine neuen Hochschul-Professionen, sondern neue Professionsidentitäten der Wissenschaftler(innen)!
Es zeigt sich, dass in Bezug auf das Aufgabenprofil die „Fakultätsmanager(innen)“ sicherlich auf dem Weg zu einer eigenen Profession schon am weitesten gekommen sind, was sich auch in ihrer Alltagspraxis widerspiegelt. Für die handelnden Personen sind jedoch vor allem ihre eigenen Erfahrungen in der Hochschule und auf Fakultätsmanagement-Stellen sowie ihre Kompetenzen von besonderer Bedeutung. Weiterbildung oder Fachliteratur, aber auch professionelle Netzwerke sind von viel geringerer Bedeutung als Netzwerke vor Ort und informeller Austausch, was wiederum nicht auf eine Professionsbildung hindeutet.
Abgrenzung von der Wissenschaft als Zeichen von Professionalisierung – Fakultätsmanager( innen) begreifen Ihre Tätigkeit als mindestens so herausfordernd wie eine wissenschaftliche Tätigkeit. Erstmalig wurde in dieser Studie ein Vergleich der Tätigkeit im Fakultätsmanagement mit wissenschaftlichen Tätigkeiten erhoben, und zwar mit Blick auf die Kategorien zeitliche Beanspruchung, intellektuelle Herausforderung, persönlicher Einsatz, Unterstützung durch Vorgesetzte, Karriereaussichten, ökonomische Sicherheit, Arbeitsplatzsicherheit und berufliche Weiterentwicklung.Nicht nur nehmen sich die allermeisten Befragten zeitlich genauso oder stärker beansprucht und ihren persönlichen Einsatz als genauso hoch oder höher wahr als in der Wissenschaft. Auch schätzen mehr als die Hälfte der Befragten die intellektuelle Herausforderung ihrer Tätigkeit im Wissenschaftsmanagement als genauso hoch oder höher als in der Wissenschaft ein, bei den Fakultätsmanager(innen) sind dies sogar nahezu 80%. Auch dieser Befund verweist unserer Ansicht nach auf das Bedürfnis der Akteure, ihr Verhältnis zur Herkunftsdisziplin bzw. zur Disziplin der jeweiligen Fakultät zu klären. Überdies stützt dieser Befund unsere These einer fortschreitenden Professionalisierung im Fakultätsmanagement im Sinne einer Normalisierung seiner Strukturen, Prozesse und Akteure. Die positive Einschätzung der Reputation einer Position im Fakultätsmanagement sowie die hohe Zufriedenheit mit der Tätigkeit im Fakultätsmanagement rundet den Befund der Zugehörigkeit zu einer immer professioneller agierenden Berufsgruppe ab, die die Wissenschaft auf Augenhöhe unterstützt.