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News vom 29.05.2018

Staatliche Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Weiterbildungsangebote deutlich verbesserungsbedürftig

Eine aktuelle Untersuchung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt, dass die durch das Bund-Länder-Programm „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ geförderten 73 Projekte eine hohe Produktivität bei der Entwicklung von (Studien-)Angeboten für nicht-traditionelle Studierende entfaltet haben. Zu den Hauptzielgruppen zählen vor allem Berufstätige mit und ohne (Fach-)Abitur. 660 Angebote befanden sich bis zum September 2017 in der Entwicklung und Erprobung oder waren bereits implementiert. Dabei gibt es für die Projekte im Arbeitsalltag allerdings etliche Hürden zu überwinden. Vor allem Finanzierungsfragen und Probleme mit den staatlich gesetzten Rahmenbedingungen stehen hier im Fokus. Beides sind wichtige Determinanten für die Sicherung der Nachhaltigkeit der entwickelten Angebote, die überwiegend im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung angesiedelt sind.

Letztmalig bestand 2017 die Gelegenheit, die Entwicklung aller 73 am des Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ beteiligten Projekte zu untersuchen, da die Förderung der ersten 26 Projekten im September des vergangenen Jahres regulär auslief. Diese Chance nutzte die vom BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung beauftragte wissenschaftliche Begleitung, zu der neben dem CHE die FernUniversität Hagen (Federführung), die Universität Oldenburg und die TU Dortmund gehören, um unter dem Titel „Projektfortschrittsanalyse 2017“ eine umfassende Befragung von Projektbeteiligten durchzuführen. Ziel war, empirisch fundierte Informationen über generelle Trends als auch über Detailaspekte in den Bereichen (Studien-)Angebote, Zielgruppen, Lehrende, nachhaltige Verankerung und Gender-Mainstreaming für Interessierte innerhalb und außerhalb des Wettbewerbs zur Verfügung zu stellen.

660 Angebote befanden sich bis zum September 2017 in der Entwicklung, Erprobung, Vorbereitung auf die Implementierung oder waren bereits implementiert. Davon entfallen 345 auf die 26 Projekte der 1. Wettbewerbsrunde (WR) und 315 auf die 47 Projekte der 2. WR. Während ihres sechsjährigen Förderungszeitraumes haben die Projekte der 1. WR insgesamt 210 Angebote vollständig implementiert. Aber auch die Projekte der 2. WR haben drei Jahre nach Beginn bereits 44 Angebote in den Regelbetrieb überführt. Was die fachliche Ausrichtung der Angebote anbelangt so dominieren in beiden WR mit Abstand die Ingenieurwissenschaften. Markante Unterschiede bestehen dagegen im Fach Informatik, das in den Angeboten der 1. WR deutlich häufiger anzutreffen ist, sowie in den Fächern Pflege, Gesundheit und Kunst, welche umgekehrt in den Angeboten der 2. WR deutlich stärker repräsentiert sind. Auffallend ist darüber hinaus, dass vergleichsweise viele Angebote interdisziplinär bzw. fächerübergreifend ausgerichtet sind.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung auf der Angebotsebene stehen die Projekte in ihrer Alltagsarbeit vor zum Teil gravierenden Umsetzungsproblemen. Dabei sind die institutionelle und die staatliche Ebene zu unterscheiden. Auf der institutionellen Ebene werden als größte Hindernisse vor allem Personalengpässe und -wechsel, die nachhaltige organisationale Verankerung der entwickelten Angebote in der Hochschule bzw. außeruniversitären Forschungseinrichtung sowie die Einbindung des Lehrkörpers gesehen. Auf der staatlichen Ebene stechen als besondere Problemfelder die Vollkostenrechnung bei Angeboten der wissenschaftlichen Weiterbildung und unzureichende Anrechnungsmöglichkeiten von Lehrleistungen in der wissenschaftlichen Weiterbildung auf das Lehrdeputat hervor.

Darüber hinaus nennen die Befragten eine breite Palette von Forderungen an die Wissenschaftsministerien der Bundesländer und zum Teil auch an die Bundespolitik. Die beherrschenden Themen in fast allen Antworten sind die notwendige Verbesserung der Finanzierung durch das Land, um (möglichst unbefristete) Personalstellen zu schaffen bzw. abzusichern sowie die Gleichstellung der Lehre in der wissenschaftlichen Weiterbildung mit der Lehre im traditionellen Bachelor- und Masterstudium, damit diese auf das Lehrdeputat angerechnet werden kann. In diesem Kontext wird zudem gefordert, dass die Lehre im Bereich wissenschaftliche Weiterbildung im Sinne der Kapazitätsverordnung (KapVo) kapazitätswirksam werden sollte. Häufig wird kritisiert, dass die wissenschaftliche Weiterbildung zwar zu den gesetzlich vorgegebenen Kernaufgaben der Hochschulen zählt, sich dies aber im staatlichen Engagement nicht ausreichend widerspiegelt. In diesem Zusammenhang wird von vielen Befragten angemahnt, die staatliche Steuerung zu optimieren. Vor allem wird für die bessere Verankerung des Themas wissenschaftliche Weiterbildung in den Zielvereinbarungen zwischen Staat und Hochschulen sowie für die Schaffung von Anreizen im Rahmen der staatlichen Mittelverteilung plädiert. Darüber hinaus wird von den Befragten in den Bundesländern, in denen sich die wissenschaftliche Weiterbildung bislang auf den Masterbereich beschränkt, dringend gefordert, den Handlungsspielraum auf das Bachelorstudium auszuweiten. Schließlich wird des Öfteren auch eine bundespolitische Forderung laut, und zwar sollte das Teilzeitstudium ebenfalls BAföG-fähig gemacht werden.

Die Studie kann unter dem oben rechts angegebenen Link von der Webseite der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Programms heruntergeladen werden.


Weitergehende Informationen finden Sie in den angegebenen Publikationen.

Publikationen zu dieser News
  • Nickel, Sigrun; Thiele, Anna-Lena: Öffnung der Hochschulen für alle? Befunde zur Heterogenität der Studierenden, in: Michael Kriegel, Johanna Lojewski, Miriam Schäfer, Tim Hagemann (Hrsg.): Akademische und berufliche Bildung zusammen denken. Von der Theorie zur Praxis einer Offenen Hochschule, Münster, New York, S. 43-59

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Ansprechpartnerin
Sigrun Nickel
Sigrun Nickelmehr
Telefon: 05241 9761-23
Fax: 05241 9761-40
E-Mail: sigrun.nickel@che.de
 
Assistenz:
Petra Bischofmehr
Telefon: 05241 9761-42

Link
Projektfortschrittsanalyse 2017: Befragungsergebnisse der 1. und 2. Wettbewerbsrundemehr

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