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News vom 18.04.2018

CHE Faktencheck des AfD-Antrags in NRW weist auf gravierende empirische Mängel hin

Die AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag fordert eine Wiedereinführung der Studienabschlüsse Staatsexamen, Magister und Diplom. Gründe seien eine Verschlechterung der Studierbarkeit sowie höhere Studienabbruchquoten durch das Bachelor- und Master-System. Ulrich Müller, Leiter politische Analysen beim CHE, widerlegte vor dem Wissenschaftsausschuss des Landtages am 18. April die vorgebrachten Argumente und Daten des AfD-Antrags und sprach sich gegen eine Rückkehr alter Studienabschlüsse aus.

In ihrem Antrag Drucksache 17/1284 schlägt die AfD-Fraktion dem nordrhein-westfälischen Landtag vor, schnellstmöglich die Studienabschlüsse Staatsexamen, Magister und Diplom im Bundesland wieder einzuführen. Gleichzeitig sollten die im Bologna-Prozess eingeführten Studienabschlüsse Bachelor und Master mittelfristig auslaufen. Grund seien strukturelle und konzeptionelle Probleme.

Ulrich Müller, Leiter politische Analysen beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung, widersprach deutlich der vorgebrachten Kritik an Bachelor und Master. Die Bologna-Reform habe die Studienbedingungen nicht verschlechtert. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall: Sie habe als Katalysator für überfällige und positiv zu bewertende Reformen gewirkt. Dies gelte etwa für die Aufwertung der Lehre und eine stärkere Praxisnähe im Studium. „Die vehemente Kritik am Bologna-Prozess durch die AfD lässt sich nur mit Unkenntnis der Fakten oder einer fehlenden Bereitschaft, den vollzogenen Paradigmenwechsel hin zu den Bedürfnissen der Studierenden zu akzeptieren, erklären,“ so Müller.

So seien die im Antrag vorgebrachten Kritikpunkte und die angeführten Zahlen durchweg empirisch nicht zu erhärten. Dies verdeutliche ein für die Stellungnahme durchgeführter Faktencheck des Antrags. So widersprechen etwa die Ergebnisse aktueller Studien die Annahme der AfD, die Umsetzung des Bachelor-Master-Systems habe Studienzufriedenheit, Auslandsmobilität und Abbruchquoten verschlechtert.

Auch der Verweis auf das Festhalten der Länder Bayern und Baden-Württemberg am Staatsexamen im Lehramt widerspricht den Tatsachen. So wird lediglich an vier bayerischen Universitäten noch das Staatsexamen angeboten, in Baden-Württemberg an keiner einzigen Hochschule.

Neben den empirischen Ungenauigkeiten und entsprechenden Fehleinschätzungen zeigte sich der CHE Experte darüber erstaunt, dass der Fokus des AfD-Antrags nur auf den Studienabschluss gelegt werde. „Wenn es der AfD-Fraktion wirklich ernsthaft um die Situation der Studierenden in NRW geht und tatsächlich gravierende Probleme der Studienqualität nachweisbar wären, müsste die AfD doch weit mehr fordern als eine Retro-Umbenennung der Studienabschlüsse. Schließlich würde ein bloßer Wechsel der Abschlussbezeichnung allein keinen relevanten Beitrag zur Verbesserung der Studienqualität leisten.“ Für eine Abkehr vom ECTS-Kreditpunktesystem, von regelhafter Anerkennung anderweitig erworbener Studienleistungen und der Modularisierung von Studieninhalten gebe es kein einziges gutes Argument.


Weitergehende Informationen finden Sie in der angegebenen Publikation.

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