CHE
     
Über uns
Themen
Personen
Projekte
Publikationen
Jobs / Praktika
Fortbildungen

Dialog
Archiv
CHEck up
CHEckpoint
RSS

Presse
Logo
Pressemitteilungen

Pressemitteilung vom 17.11.2017

Bedeutung des berufsbegleitenden Studiums wird zunehmen

Universitäten und Fachhochschulen werden in Zukunft wesentlich stärker gefordert sein, auf den wachsenden Bedarf nach einer Kombination von Studium und Erwerbstätigkeit zu reagieren. Zu diesem Ergebnis kam die abschließende Expertenrunde des CHE-Forums zum Thema „Gestaltungskonzepte für das berufsbegleitende Studium“ in Berlin. Die mit rund 100 Teilnehmenden ausgebuchte Veranstaltung machte deutlich, dass diese Entwicklung nicht nur die wissenschaftliche Weiterbildung betrifft, wo sich berufsbegleitende Studienangebote vorwiegend finden, sondern auch das herkömmliche Bachelor- und Masterstudium.

Zu Beginn des Forums analysierte Sigrun Nickel, Leiterin Hochschulforschung beim CHE, die Bedürfnisse von berufsbegleitend Studierenden auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei zeigt sich zunächst, dass für die Studienentscheidung eine möglichst klare Ausschilderung des Angebots nötig ist. Die in der Praxis öfter vorkommenden vieldeutigen Bezeichnungen wie „duales berufsbegleitendes Teilzeitstudium“ schaffen eher Verwirrung. Interessierte möchten genau wissen, worauf sie sich einlassen. Weiterhin legen Hochschulen bei ihren Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen häufig ein Schwergewicht auf die Studieneingangsphase, doch messen die Studierenden diesen auch im weiteren Studienverlauf ein hohes Gewicht bei und zwar insbesondere mit Blick auf die zum großen Teil recht schwierige Vereinbarkeit von Studium und Erwerbstätigkeit. Vor diesem Hintergrund wird die Verbesserung der zeitlichen Erreichbarkeit des Beratungs- und Unterstützungsangebots als dringend notwendig erachtet.

Darüber hinaus schätzen berufsbegleitend Studierende eine umfassende Flexibilisierung des Studiums, zu der maßgeblich der Einsatz digitaler Medien beiträgt. Markus Lermen, Geschäftsführer des „Distance and Independent Studies Center“ (DISC) der TU Kaiserslautern machte deutlich, dass im berufsbegleitenden Studium nach wie vor hauptsächlich mit Hilfe von schriftlichem Material in Form von Online-Skripten oder Studienbriefen gelernt wird. Das findet der überwiegende Teil der Studierenden auch gut so. Gleichzeitig wünschen sich Studierende aber auch mehr E-Teaching bei gleichzeitiger Ausdehnung der Präsenzlehre. Darüber hinaus werden Informationskanäle wie beispielsweise „You Tube“ als informelle Wissensquellen immer wichtiger. Entschließen sich Hochschulen, die Digitalisierung von Lehre und Studium auszubauen, hat das auch Folgewirkungen auf andere Bereiche wie z.B. Management und Verwaltung. „Das ist ein umfassender Veränderungsprozess“, so Lermen.

In eine ähnliche Richtung gehen auch die Erfahrungen von Thomas Doyé, Vizepräsident der TH Ingolstadt. Er führte in seinem Vortrag fünf Erfolgsfaktoren für die wissenschaftliche Weiterbildung aus, in deren Bereich berufsbegleitende Studienangebote in Deutschland häufig angesiedelt sind. Ganz zentral ist aus seiner Sicht neben geeigneten „Prerequisites, People, Promotion, Products“ vor allem der Bereich „Process“, also die Studienorganisation, das Qualitätsmanagement sowie die institutionelle Verankerung der Angebote beispielweise in Form eines In-Instituts, wie es Thomas Doyé an der TH Ingolstadt erfolgreich aufgebaut hat. Dort werden nicht nur berufsbegleitende Studiengänge, Zertifikatskurse und unternehmensspezifische Seminare sondern auch damit zusammenhängende Bildungsforschung durchgeführt.

Während das berufsbegleitende Studium in Deutschland nicht nur häufig im kostenpflichtigen Weiterbildungsbereich angesiedelt sondern in etlichen Bundesländern auch auf den Masterbereich beschränkt ist, sind die Freiheiten in der Schweiz hier sehr viel größer. Dies ging aus dem Vortrag von Martin Meyer, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, hervor. Nach dem Motto „Nur ein Studienprinzip für alle und alles“ hat sein technischer Bereich das Bachelorstudium so weit flexibilisiert, dass Studierende je nach Wunsch in Vollzeit, Teilzeit oder berufsbegleitend studieren könnten. Das wird möglich durch ein flexibel handhabbares Curriculum, eine konsequente Kompetenzorientierung und spezielle Assessment-Verfahren. In Deutschland dagegen müssen zumindest staatliche Hochschulen kreative Lösungen finden, um mit den restriktiven Bedingungen umzugehen, so Axel Gehrmann, Professor an der TU Dresden. In seinem Programm zur Qualifizierung von Seiteneinsteiger(inne)n in das Lehramt kooperiert er deshalb mit einem privaten Träger, um geeignete Spielräume bei der Gewinnung von Lehrpersonal und bei der Nutzung räumlicher Ressourcen zu bekommen.

Angesichts dieser Situation forderte Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE, eine umfassende Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen: "Das berufsbegleitende Studium sollte sich nicht nur auf den Masterbereich beschränken, sondern auch im Bachelorbereich möglich sein. Es ist auch nicht sinnvoll, dass für berufsbegleitende Weiterbildungsangebote in der Regel keine staatlichen Mittel zur Verfügung stehen. Auch die wissenschaftliche Weiterbildung zählt zu den hoheitlichen Aufgaben von Universitäten und Fachhochschulen".



Die Expertenrunde beim CHE-Forum in Berlin (v.r.): Prof. Dr. Axel Gehrmann (TU Dresden), Prof. Dr. Thomas Doyé (TH Ingolstadt), Dr. Sigrun Nickel (CHE), Dr. Markus Lermen (TU Kaiserslautern), Prof. Dr. Martin Meyer (FH Nordwestschweiz) und Prof. Dr. Frank Ziegele (CHE)


Weitergehende Informationen finden Sie in der angegebenen Publikation.

Publikation zu dieser Pressemitteilung

Projekt zu dieser Pressemitteilung
Druckversion

Ansprechpartnerin
Sigrun Nickel
Sigrun Nickelmehr
Telefon: 05241 9761-23
Fax: 05241 9761-40
E-Mail: sigrun.nickel@che.de
 
Assistenz:
Petra Bischofmehr
Telefon: 05241 9761-42

Veranstaltung
Forum: CHE-Forum: Gestaltungskonzepte für das berufsbegleitende Studiummehr

Themen

© CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2017Sitemap   Datenschutz   Impressum