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News vom 04.10.2012

„Checks and Balances“ in der Hochschule

Welche Rolle spielt der Hochschulrat? 80 Hochschulräte und Hochschulrätinnen diskutierten am 27. September in Berlin beim 6. Forum Hochschulräte, welche „Checks and Balances“ dieses noch recht junge Hochschulgremium benötigt.

Hochschulräte sind mittlerweile an fast allen Hochschulen in Deutschland etabliert und mit der gestärkten Autonomie der Hochschulen fest verknüpft. Als unabhängige Aufsichtsgremien begleiten sie in erster Linie aus hochschulexterner Sicht die Strategiefindung und -implementierung der betreffenden Hochschulen. Immer wieder wird in der Öffentlichkeit und in der Politik allerdings eine Diskussion um ihre Abstufung zu lediglich beratenden Beiräten geführt. Oft wird behauptet, ein zweimal im Jahr tagendes Organ könne eine Hochschulleitung gar nicht kontrollieren und unterliege keiner hinreichenden Kontrolle. Die Veranstalter des Forums Hochschulräte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Heinz Nixdorf-Stiftung und das CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung reagierten mit dieser Veranstaltung auf die öffentliche Diskussion.

Hochschulräte, Vertreter der Hochschulleitung sowie Vertreter der Fakultätsebene kamen zu den Themen „Hochschulleitung vs. Hochschulrat: Wer kontrolliert wen?“ und „Wer kontrolliert die Hochschulräte?“ zu Wort.

Stefan Kühl führte seine auch in der FAZ diskutierte These aus, Hochschulräte seien zwar wünschenswert, aber wie zahnlose Tiger, die (ein Bonmot von Niklas Luhmann aufgreifend) problemlos durch Hochschulleitungen „unterwacht“ werden könnten. In erster Linie seine sie als geglückte Maßnahme zur indirekten Stärkung der Rektorate und Präsidien anzusehen. Michael Stawicki, Präsident der Hochschulschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, stellte am Beispiel seiner Hochschule die fruchtbare Zusammenarbeit von Präsidium, Senat, Dekanen und Hochschulrat dar. Die Alternative zu Hochschulräten sei, die Hochschule wieder an die kurze Leine des Ministeriums zu binden – da präferiere er die kritische Begleitung durch den Hochschulrat. Ein Hochschulrat werde aber nur mit formalen Entscheidungsbefugnissen richtig ernst genommen. Thomas Sattelberger, Hochschulrat und ehemaliger Personalvorstand der Telekom, rief Hochschulräte dazu auf, sich über die Vorlagen der Hochschulleitung hinaus ein ungeschminktes, mehr-perspektivisches Bild der Hochschule zu verschaffen, also den „Bypass“ nach unten zu suchen. Die Wirklichkeit sehe manchmal anders aus als auf der „Vorderbühne“ in Hochglanz präsentiert. Es sei hilfreich, Fakultäten und Studierende in die Diskussion einzubeziehen. Kennzahlensysteme seien eine Annäherung an die Wahrheit, Begegnungen, bilaterale Gespräche seien andere wichtige Informationsquellen. Er regte einen University Governance Codex für den Hochschulrat an, der Minimumstandards definiere.

Friedrich Wilhelm Rothenpieler, ehem. Amtschef im Bayerischen Wissenschaftsministerium, sah das Ministerium als kooperierenden und aktivierenden Partner der Hochschulen und Hochschulräte und betonte die Bedeutung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit als „Normalfall“. Daher plädierte er für lebendige Kommunikation und wechselseitige Information statt weiterer institutionalisierter Berichtspflichten. Uwe Rössler, Dekan an der Fachhochschule Bielefeld, ging auf die Strategieberatung des Präsidiums durch den Hochschulrat ein und betonte die Bedeutung einer transparenten und effizienten Kommunikation des Hochschulrats mit den Dekanen für die Strategieentwicklung. Rüdiger Strehl, Hochschulrat an der Universität Göttingen, stellte sieben Thesen für „Dos and don’ts“ für die Arbeit des Hochschulrats auf. Unter anderem sei es entscheidend, die Aufgaben des Hochschulrats ausgewogen wahrzunehmen und sich nicht auf die sympathischeren Aufgaben zu konzentrieren. Nicht zuletzt sei eine sofortige Sitzungsbereitschaft in Krisensituationen unerlässlich. Auch wies er auf die absehbaren Folgen der Schuldenbremse für die Hochschulbudgets hin.

Insgesamt zeigte sich, dass ein vertrauensbasiertes Verhältnis Vorrang vor neuen regelmäßigen Rechenschafts- und Berichtspflichten für Hochschulräte (z.B. gegenüber dem Parlament) haben sollte. Ein Hochschulrat sollte Transparenz pflegen, v.a. über persönliche Begegnungen und Informationen auf der Webseite sowie auf Anfrage jederzeit Auskunft über Schwerpunkte und Ergebnisse seiner Arbeit geben. Zyklische Rechenschaftspflichten hat aber die Institution der jeweiligen Hochschule, vertreten durch die Hochschulleitung – hätte ein weiteres Leitungsorgan wie der Hochschulrat separate Berichtspflichten, ergäbe sich unter Umständen eine Mehrstimmigkeit der verschiedenen Organe.

Die Reihe „Forum Hochschulräte“ wird in 2013 fortgesetzt.


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Ansprechpartnerin
Jutta Fedrowitz
Jutta Fedrowitzmehr
Telefon: 05241 9761-26
Fax: 05241 9761-40
E-Mail: jutta.fedrowitz
@che.de
 
Assistenz:
Alexandra Tegethoffmehr
Telefon: 05241 9761-22

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Präsentation von Prof. Dr. Uwe Rössler, Fachhochschule Bielefeld (pdf)mehr

Präsentation von Dr. Friedrich Wilhelm Rothenspieler (pdf)mehr

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Kühl, Universität Bielefeld (pdf)mehr

Präsentation von Thomas Sattelberger (pdf)mehr

Vortrag von Prof. Dr. Michael Stawicki (pdf)mehr

Versuch einer handlungsorientierten Zusammenfassung der Diskussion des Forums Hochschulräte (pdf)mehr

Veranstaltung
Forum: Forum Hochschulräte - Checks and Balances in der Hochschule - Welche Rolle spielt der Hochschulrat?mehr

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